USA vs. EU: Brüssel bietet Washington Abschaffung aller Zölle auf Industriegüter an - DER SPIEGEL
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Turbulenzen in der Weltwirtschaft EU bietet USA Abschaffung aller Zölle auf Industriegüter an

Die US-Zölle sorgen weltweit für Verwerfungen. Nun erklärt EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, sie habe Trump mehrfach die Aufhebung von Zöllen auf Industriegüter angeboten. Eine »angemessene Reaktion« blieb demnach aus.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

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Vyacheslav Oseledko / AFP

Die EU hat US-Präsident Donald Trump nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Abschaffung aller Zölle auf Industriegüter auf beiden Seiten vorgeschlagen. »Wir haben Null-für-Null-Zölle für Industriegüter angeboten«, sagte von der Leyen am Montag in Brüssel.

Die EU habe die Abschaffung gegenseitiger Zölle »wiederholt« angeboten, etwa im Automobilsektor, sagte von der Leyen. »Aber es gab keine angemessene Reaktion auf dieses Angebot«. Sie betonte, die EU sei »immer zu einem guten Geschäft bereit«.

Die EU hofft im Handelsstreit mit US-Präsident Donald Trump auf eine Verhandlungslösung. Die EU-Kommission und die Mitgliedsländer bereiten aber auch eine Reihe von Gegenmaßnahmen vor, um auf die US-Zölle zu reagieren. Ab Mitte April sollen nach und nach Gegenzölle in Kraft treten.

US-Präsident Donald Trump hatte Handelspartner weltweit mit teils massiven Zollerhöhungen belegt und große Empörung ausgelöst. Die EU-Handelsminister beraten zurzeit in Luxemburg über die richtige Antwort darauf.

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Trumps Regierung hatte neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern eingeführt. Am 9. April sollen noch höhere Zölle für Länder folgen, mit denen die USA aus ihrer Sicht ein besonders großes Handelsdefizit haben. Im Falle der Hightechnation Japan sind das 24 Prozent, für EU-Staaten wie Deutschland 20 Prozent und für China sogar Zölle von 34 Prozent.

Vor den Äußerungen der Kommissionspräsidentin hatte sich am Wochenende US-Präsidentenberater Elon Musk für eine transatlantische Freihandelszone ohne jegliche Zölle ausgesprochen. Er hoffe, dass sich die USA und Europa auf eine noch engere Partnerschaft als bisher einigen könnten, sagte der Chef des Elektroautoherstellers Tesla bei einem Parteitag der rechten italienischen Regierungspartei Lega in Florenz. »Und was die Zölle anbelangt, hoffe ich, dass wir uns auf eine Null-Zoll-Situation zubewegen, mit einer Freihandelszone zwischen Europa und Nordamerika«, sagte er.

Vorbereitungen für Gegenmaßnahmen

Von der Leyen machte am Montag deutlich, dass neben den Verhandlungsbemühungen weiter mögliche Gegenmaßnahmen für den Fall eines Scheiterns von Verhandlungen vorbereitet würden. Zusätzlich werde man sich auch vor den Auswirkungen einer möglichen Umleitung von Handelsströmen aus anderen Teilen der Welt durch die US-Importzölle schützen. Zu diesem Zweck werde man eine »Taskforce zur Überwachung von Importen« einrichten. Um sicherzustellen, dass es eine solide Beweislage für politische Maßnahmen gebe, werde man mit der Industrie zusammenarbeiten.

Von der Leyen kündigte zudem an, den Ausbau der Handelsbeziehungen mit anderen Ländern voranzutreiben und nannte Indien, Thailand, Malaysia, Indonesien als Beispiele. Zudem verwies sie auf die bereits geplanten Abkommen mit dem südamerikanischen Staatenbündnis Mercosur sowie Mexiko und der Schweiz. 83 Prozent des globalen Handels gebe es jenseits der USA, sagte von der Leyen.

Börsen reagieren stark

Trump schickte mit seinem gewaltigen Zollpaket die Börsen weltweit auf Talfahrt – und radierte damit auch Vermögen von Privatanlegern in Milliardenhöhe quasi über Nacht aus. Viele Amerikaner haben an der Börse investiert und bangen nun um ihr Erspartes.

Der Dax notierte am Montagmorgen sechs Prozent schwächer bei 19.418 Punkten und büßte damit seinen gesamten Jahresgewinn ein. Am Ölmarkt fielen die Preise auf den tiefsten Stand seit April 2021. Ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl verbilligte sich um knapp vier Prozent auf 59,59 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 63,24 Dollar 3,6 Prozent weniger. Solange die Panik am Markt nicht nachlasse, werde der Ölpreis keinen Boden finden, sagt Vandana Hari vom Öl-Analysehaus Vanda Insights.

Gewinnmitnahmen drückten auch das in Krisenzeiten als sicherer Hafen angesehene Gold. Das gelbe Metall verbilligte sich um fast ein halbes Prozent auf 3024 Dollar je Feinunze, nachdem der Preis seit Jahresanfang um mehr als 15 Prozent gestiegen war. Die Anleger versuchten nun, durch Goldverkäufe ihre Verluste in anderen Vermögenswerten zu decken, erläuterte Analyst Kyle Rodda von der Handelsplattform Capital.com.

Rüstungsfirmen müssen für Gewinnmitnahmen herhalten

Unter Druck bei den Einzelwerten gerieten ebenfalls vor allem die Aktien, die in den vergangenen Monaten besonders stark zugelegt hatten. Steil nach unten ging es daher etwa für die Rüstungswerte: Rheinmetall, MTU Aero Engines, Hensoldt und Renk brachen um 9 bis 10,5 Prozent ein. »Da ist am meisten Speck dran«, sagte ein Händler.

Unter Druck standen auch Bankenwerte. Der europäische Branchenindex sackte um mehr als sechs Prozent ab. Seit seinem letzten Höchststand hat er inzwischen rund 22 Prozent verloren – ein klares Signal für einen Bärenmarkt. Besonders steil nach unten ging es für die Commerzbank und die Deutsche Bank sowie die französischen Institute Crédit Agricole, Société Générale und BNP Paribas, die jeweils zwischen neun und zehn Prozent einbüßten. Auch britische Banken litten: Barclays rutschte um sieben Prozent ab, HSBC verlor rund 3,5 Prozent. Bankaktien in anderen Regionen standen ebenfalls massiv unter Druck: Der Index japanischer Banken brach zeitweise um bis zu 17 Prozent ein.

svs/AFP/dpa