EU-Kartellverfahren Microsoft schaltet US-Gerichte ein
Brüssel - Microsoft beantragte bei der Justiz der US-Staaten New York, Massachusetts und Kalifornien eine gerichtliche Anordnung. Mit dieser sollen Konkurrenten wie Sun Microsystems, IBM, Oracle und Novell dazu gebracht werden, ihre Korrespondenz mit der EU auszuhändigen.
Microsoft-Anwalt Horacio Gutierrez sagte heute in Brüssel, das Unternehmen benötige diese Unterlagen um zu verstehen, warum Microsoft vorgeworfen werde, sich nicht an die 2004 von der EU verhängten Auflagen zu halten. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes drohte Microsoft gestern mit Strafen und erklärte: "Wir werden Microsoft und seinen Anwälten zuhören und danach so schnell wie möglich eine Entscheidung treffen." Die EU-Kommission hat Microsoft ein Bußgeld bis zu zwei Millionen Euro pro Tag angedroht.
Die Wettbewerbshüter hatten Microsoft im März 2004 wegen des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung zu einer Rekordstrafe von 497 Millionen Euro verurteilt. Hinzu kam die Auflage, Konkurrenten den Einblick in den Source-Codes von Software-Schnittstellen zu gewähren.
Im Dezember 2005 entschied die Kommission dann, dass Microsoft die Auflage nicht ausreichend erfüllt habe. Sie stützte sich dabei auch auf die Aussage eines Experten, Professor Neil Barrett, dessen Unabhängigkeit Microsoft nun anzweifelt.