EU-Nominierung Italien will eigenen Kandidaten aufstellen
Rom/Brüssel/Lissabon - Italiens Außenminister Lamberto Dini forderte eine "namhaftere Persönlichkeit" als Kandidaten für die IWF-Spitze. Im Radiosender RAI erwähnte er dabei den italienischen Finanzminister Giuliano Amato, für den sich auch US-Finanzminister Lawrence Summers ausgesprochen haben soll. Dini sagte, er könne sich als gemeinsamen europäischen Kandidaten einen "Finanzminister, einen ehemaligen Finanzminister oder einen Ex-Regierungschef vorstellen". Für die Führung des Internationalen Währungsfonds sei jedenfalls ein "umfassender Konsens" notwendig.
Europa habe bei der Aufstellung Koch-Wesers "der Analyse der USA nicht Rechnung getragen" und sei deshalb gescheitert. "Es ist klar, dass Italien nicht alleine einen Kandidaten präsentieren kann", so Dini.
Die französische Regierung reagierte zurückhaltend auf die mögliche Kandidatur Köhlers. Frankreich nehme dies "zur Kenntnis", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums und ließ offen, ob Köhler von den Franzosen unterstützt werde. Frankreich wolle einen Europäer an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF), der die Unterstützung der Mehrheit der Mitgliedstaaten habe.
Die Entscheidung über den europäischen Kandidaten solle nach intensiven Konsultationen bei einem Treffen der EU-Finanzminister fallen, hieß es in Paris. Dabei müsse vor allem gesichert sein, dass der Kandidat nicht nur in Europa, sondern auch bei den übrigen IWF-Staaten auf Zustimmung stoße.
"Wir unterstützen den neuen deutschen Kandidaten, Köhler", sagte ein Sprecher des portugiesischen Ministerpräsidenten Antonio Guterres. Er konnte allerdings nicht bestätigen, ob dies eine abgestimmte Haltung in der Europäischen Union (EU) sei. Die Europäische Kommission in Brüssel hatte zuvor mitgeteilt, man warte auf eine Erklärung der EU-Ratspräsidentschaft zum neuen Kandidaten.
Die Bundesregierung will beim weiteren Vorgehen mit den EU-Partnern kooperieren. Regierungssprecher Bela Anda sagte, es sollten in enger Abstimmung mit der EU-Präsidentschaft "alle jetzt notwendigen Fragen" geklärt werden.
Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker begrüßte Köhlers Bereitschaft ausdrücklich. Die Bundesregierung habe mit dem Präsidenten der Londoner Osteuropa-Bank eine "ausgezeichnete Wahl" getroffen. Er sei zuversichtlich, dass die Kandidatur von den anderen EU-Staaten unterstützt und von den USA akzeptiert wird.