EU-Osterweiterung Bayerns Arbeitsmarkt leidet besonders
München - Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn spielte am Mittwoch eine Rolle, in der er sich gerne sieht: die des kundigen Warners und Mahners. "Der bayerische Arbeitsmarkt ist derzeit einer hohen Belastung ausgesetzt", sagte der Volkswirt. Durch massive Zuwanderung von Arbeitskräften aus den EU-Beitrittsländern steige die bisher noch relativ niedrige Arbeitslosigkeit in Bayern derzeit überproportional an. Auch aus anderen Bundesländern strebten viele Jobsuchende nach Bayern.
"Zuwanderung in die Arbeitslosigkeit"
Hinzu kommt aus Sicht Sinns ein weiteres Risiko: Weil Ungarn, die Slowakei oder Tschechien nicht weit sind, sei Bayern in besonderem Maße von einer Abwanderung der grenznahen Industrie betroffen - so gingen Stellen verloren. Die Kostenargumente sprechen jedenfalls dafür: "Die Löhne in den Nachbarländern sind ein Sechstel der Löhne in Bayern", sagte Sinn.
Schuld an den Problemen ist aus Sicht des Professors auch die zu hohe Sozialhilfe - sie wirke wie ein künstlich geschaffener Mindestlohn. "Der Sozialstaat zahlt den Menschen Lohn für das Nichtstun." So locke die Sozialhilfe zu viele Zuwanderer an, verhindere aber zugleich, dass diese mit neuen Arbeitsplätzen versorgt würden.
"Es findet eine indirekte Zuwanderung in die Arbeitslosigkeit statt", warnte Sinn. Offene Stellen gebe es in Bayern insbesondere im Sozialwesen - diese seien aber im Vergleich zur Sozialhilfe zu schlecht bezahlt.