Euro: Alle Ampeln stehen auf Grün - DER SPIEGEL
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Euro Alle Ampeln stehen auf Grün

Der Euro ist wieder unter die 93-Cent-Marke gefallen. Am langfristigen Aufwärtstrend besteht jedoch kein Zweifel mehr.
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Frankfurt am Main - Der Euro hat am Donnerstag leicht verloren: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9285 US-Dollar fest - nach 0,9310 Dollar am Vortag. Händler machten vor allem die Weihnachtsstimmung an den Devisenmärkten dafür verantwortlich. Bei den dünnen Umsätzen brauche es nicht viel, um den Markt zu bewegen, sagte Adam Cole, Währungsspezialist bei HSBC in London.

Allerdings hätten auch die heute veröffentlichten Leistungsbilanzzahlen für die Eurozone einen negativen Einfluss gehabt. "Die Zahlen waren nicht hilfreich", sagte Cole. Andere, positive Signale wie der gestiegene französische Geschäftsklima-Index seien von den Märkten jedoch ignoriert worden.

Experten und Bundeskanzler Gerhard Schröder erwarten, dass die Gemeinschaftswährung ihren Aufwärtstrend fortsetzt. Seit November, als der Euro auf Tiefständen um 82 Cents dümpelte, hat er rund 13 Prozent zugelegt. Am Mittwoch war er kurzzeitig auf 0,9340 US-Dollar gestiegen - ein Fünf-Monats-Hoch gegenüber dem Dollar und ein 16-Monats-Hoch gegenüber dem Yen.

Grund zum Optimismus geben vor allem die Zahlen aus den USA. Das Wirtschaftswachstum hat sich dramatisch verlangsamt und war im dritten Quartal sogar geringer als das der Eurozone - ein Novum in der Geschichte des Euro. Düstere Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan über den Zustand der US-Wirtschaft lassen den Euro zusätzlich attraktiv erscheinen.

Zwar ist in den USA die Binnennachfrage, der wichtigste Motor der Wirtschaft, weiterhin hoch (im dritten Quartal wuchs sie um 4,5 Prozent), doch Volkswirte sagen ihren Absturz voraus. Darauf deutet auch der so genannte "Consumer Confidence Index" hin, der die Zukunftserwartungen der Amerikaner misst: Er fiel im Dezember auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Selbst die angekündigten Steuersenkungen des kommenden Präsidenten George W. Bush werden die Skepsis nicht zerstreuen. "Die amerikanischen Verbraucher haben klar über ihre Verhältnisse gelebt. Deshalb werden sie wahrscheinlich die Steuersenkungen nutzen, um ihre Sparkonten zu füllen, nicht um das Geld auszugeben", sagte Michael Lewis, Volkswirt bei der Deutschen Bank in London, der "Financial Times".

Die Steuergeschenke in Frankreich und Deutschland, auf der anderen Seite, werden voraussichtlich die Binnennachfrage in den beiden Ländern ankurbeln.

Auch im Vergleich zu Japan steht die Euro-Wirtschaft glänzend da. Während Europa für 2001 Wachstumsraten von zwei bis drei Prozent erwartet, ist man in Japan unsicher, ob sich die Wirtschaft erholen wird. Herbe Kursverluste an der Börse in Tokio haben das Vertrauen in den Yen zusätzlich schwinden lassen. Und derzeit sind es japanische Politiker, die sich - wie einst Schröder - zu unvorsichtigen Äußerungen über ihre Währung hinreißen lassen: Der stellvertretende Finanzminister begrüßte den Yen-Abwärtstrend als "nicht falsche Bewegung".