Euro auf 1,30-Kurs: "Dann wird die Luft wirklich dünn" - DER SPIEGEL
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Euro auf 1,30-Kurs "Dann wird die Luft wirklich dünn"

Der andauernde Höhenflug des Euro bereitet der Wirtschaft Sorgen. Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Hans-Werner Sinn könnte sogar die gesamte Exportkonjunktur zum Erliegen kommen.
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Frankfurt am Main - Ein weiterer Euro-Anstieg könnte sich zu einer ernsten Gefahr für den Konjunkturaufschwung entwickeln, sagte der Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) in einem Zeitungsinterview. Aus Befragungen von Unternehmen gehe hervor, dass bei einem Euro-Kurs von 1,30 Dollar die Gefährdungsgrenze erreicht werde. Bei noch höheren Kursen, die nicht ausgeschlossen werden könnten, werde der Export trotz der Wechselkursabsicherungen der Firmen in Mitleidenschaft gezogen. "Dann wird die Luft für Export orientierte Firmen wirklich dünn", sagte Sinn. Dann müsse ein Erliegen der Exportkonjunktur befürchtet werden.

Unter einem starken Euro leiden vor allem exportorientierte Firmen, da deren Ausfuhren in außereuropäische Regionen teurer werden und der Absatz der Produkte damit schwieriger wird. Erst am Morgen hatte VW-Finanzchef Hans Pötsch die Gewinneinbrüche bei dem Wolfsburger Autobauer unter anderem mit dem ungünstigen Wechselkurs begründet.

Dass sich das Euro-Dollar-Gleichgewicht in der nächsten Zeit wieder einstellen wird, damit rechnet indes kaum jemand. "Der Euro wird weiter fest bleiben, auch wenn er zwischenzeitlich einmal nachgeben kann", sagte Ulrich Beckmann, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Er rechnet auf Sicht von zwölf Monaten mit einem Euro-Kurs von 1,30 Dollar.

US-Notenbank treibt den Euro an

Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, hält einen noch deutlicheren Anstieg des Euro für möglich. "Unsere Prognose für den Euro zum Jahresende liegt bei 1,35 Dollar." Auf der technischen Ebene weise der intakte Aufwärtstrend bei Euro/Dollar noch keine Ermüdungserscheinungen auf, schrieben die Devisenexperten der Helaba in einem Marktkommentar.

Von seinem historischen Tiefststand wäre der Dollar selbst dann noch ein Stück entfernt. 1995 hatte der Greenback lediglich noch 1,43 D-Mark gekostet. Ein Euro wäre also rund 1,37 Dollar wert gewesen. Am Montagmorgen war die Eurowährung bis knapp unter die Marke von 1,27 Dollar geklettert. Gegen Mittag notierte die Eurowährung bei 1,2672 Dollar. Im vergangenen Jahr hatte der Euro bereits 20 Prozent an Wert gewonnen.

Für den jüngsten Euro-Anstieg sorgten Händlern zufolge unter anderem Äußerungen des Gouverneurs der US-Notenbank Ben Bernanke. Bernanke hatte am Sonntag vor der Amerikanischen Wirtschaftsvereinigung in San Diego gesagt, die Niedrigzinspolitik der Fed sei gerechtfertigt, auch wenn die US-Wirtschaft offenbar die Kurve zur Erholung geschafft habe. Der US-Leitzins ist gegenwärtig halb so hoch wie in der Eurozone, womit Euro-Kapitalanlagen für Anleger attraktiver blieben.

Zudem sorgen sich nach Einschätzung von Händlern die Investoren weiter um die Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits. Zur Finanzierung des Defizits sind die USA auf massive Kapitalströme aus dem Ausland angewiesen. Bleiben diese aus, droht eine deutliche Abwertung des Dollar. Der wachsende Fehlbetrag belastet bereits seit längerem den Wechselkurs der US-Währung zum Euro.

EZB-Banker sollen den Markt beruhigen

Im Blick behalten Investoren auch die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag. Sie warten gespannt auf mögliche Äußerungen der EZB zum Wechselkurs. "Wenn die Euro-Aufwertung dynamisch weitergeht, könnte die EZB verbal intervenieren", sagte Schilbe. "Zunächst sehe ich auf diesem Niveau aber keine Interventionen."

Deutsche-Bank-Volkswirt Beckmann äußerte sich ähnlich. "Ich rechne zunächst nicht damit, dass die EZB Geld für Interventionen auf den Tisch legen wird. Aber irgendwann könnten Kommentare kommen, die den Markt beruhigen."