Euro: Deutschland ist Spätstarter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Euro Deutschland ist Spätstarter

Die große Umstellung beginnt in kleiner Münze. Am 17. Dezember bringen Banken und Sparkassen in so genannten Starter-Kits das erste Euro-Hartgeld unter die Leute - die Bürger einiger Nachbarstaaten kommen schon drei Tage früher in den Genuss.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Wenige Tage vor einer der größten Geldtauschaktionen aller Zeiten sollen sich die Menschen in den zwölf Euro-Ländern schon einmal an das neue Geld gewöhnen. Dazu werden zwischen Finnland im Nordosten und Portugal im Südwesten die Euro-Münzen unters Volk gebracht. Dabei gehört Deutschland noch zu den Spätstartern. Während in Frankreich, Irland und den Niederlanden schon ab Freitag die so genannten Starter-Kits ausgegeben werden, sind die Tütchen hier zu Lande erst ab Montag an den Bankschaltern erhältlich.

Vom 1. Januar an gelten die neuen Münzen als Zahlungsmittel. Die besonders Ungeduldigen können schon in der Silvesternacht die ersten Euro-Scheine aus dem Geldautomaten ziehen. Doch Experten raten, zunächst nicht völlig auf die neue Währung zu setzen - gerade in den ersten Januartagen könne das Wechselgeld knapp werden.

"Man sollte zwar nicht zu viel D-Mark-Bargeld mit ins neue Jahr nehmen, aber trotzdem noch ein bisschen Kleingeld behalten", empfiehlt Christopher Lucht von der Aktionsgemeinschaft Euro in Bonn. Zwar hat die Bundesbank rund 53,5 Millionen Euro-Starter-Kits ausgegeben: "Eigentlich müsste jeder der 35 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens eines bekommen", sagt Kerstin Altendorf vom Bundesverband Deutscher Banken in Berlin. Doch die Päckchen, die je 20 Münzen im Wert von zusammen 10,23 Euro enthalten und damit 20 Mark kosten, werden nicht unbedingt gleichmäßig verteilt: "Jede Bank hat für sich kalkuliert, wie viele sie braucht", erklärt Lucht.

Manche Geldinstitute geben die begehrten Päckchen nur an ihre Kunden ab, andere handelten nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Vorbestellungen seien meist nicht möglich, und viele Geldinstitute würden wohl nicht mehr als ein oder zwei Starter-Kits pro Person abgeben, sagt Lucht.

So ruht die Hauptlast des Umtausches vom 1. Januar an bei Handel und Gewerbe: In einer freiwilligen Selbstverpflichtung hat der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels erklärt, die D-Mark noch bis zum 28. Februar annehmen zu wollen. Das Wechselgeld soll prinzipiell in Euro herausgegeben werden. Ein Rechtsanspruch auf Euro-Wechselgeld bestehe aber nur dann, wenn der Kunde selbst bereits in Euro gezahlt habe, so Lucht.

Vor allem in kleineren Läden sei pragmatisches Verhalten geboten, sagt Experte Lucht: "Man sollte nicht krampfhaft versuchen, den Anspruch auf Euro-Wechselgeld durchzusetzen." Auch die Taxifahrt am Neujahrsmorgen müsse ja nicht unbedingt mit einem frisch gezogenen 100-Euro-Schein bezahlt werden.

Schwierig ist die Lage auch bei den bundesweit rund 2,5 Millionen Verkaufsautomaten. "Die Umstellung dauert eine Zeit", sagt Bert Varell vom Bundesverband Automatenunternehmer in Berlin. Zwar sei die Umrüstung bei den meisten Verkaufsautomaten etwa für Kaffee, Süßigkeiten oder Kondome rechtzeitig in die Wege geleitet worden: "Ein Automat, der Euro annimmt, gibt dann auch Euro heraus", so Varell. Es könne aber gerade in ländlichen Regionen noch dauern, bis auch die letzte Personenwaage oder das Münzfernglas eurofähig seien.

Umgewöhnen müssen sich auch Raucher: Die Zigarettenpackung an den bundesweit 830.000 Automaten wird künftig drei Euro (5,87 Mark) kosten. Das sind 13 Pfennig weniger als bisher, allerdings enthält jede Packung dafür auch eine Zigarette weniger. "Sämtliche Zigarettenautomaten werden am Stichtag eurofähig sein", versichert Peter Lind, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenhersteller (BDTA).

Aufpassen sollte auch, wer in Zeiten der Euro-Umstellung auf Reisen geht. Die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn sowie der örtlichen Verkehrsbetriebe müssen schließlich ebenfalls umgestellt werden. Die Umrüstung geschieht schrittweise bis zum Februar.

Gut durch die Umstellung kommt Lucht zufolge, wer verstärkt die EC-Karte, Kredit- oder Geldkarten einsetzt. Und auch im Ausland raten Experten zur Vorsicht: Die D-Mark oder andere Altwährungen werden dort möglicherweise schon vom 1. Januar an nicht mehr angenommen - es empfiehlt sich also, EC-, Kreditkarten oder Reiseschecks dabei zu haben.