Euro Duisenberg rudert zurück
Paris - Das erste Wort hatte Jean-Claude Trichet, der designierte neue Präsident der EZB. Er erging sich in warmen Worten für den derzeitigen Präsidenten Wim Duisenberg und sprach ihm "in aller Deutlichkeit" sein Vertrauen aus. Damit wollte er offenbar Spekulationen entgegentreten, er beanspruche den Chefsessel der EZB schon in naher Zukunft.
In seinem nachfolgenden Statement vermied es Duisenberg, auf die harte Kritik einzugehen, die ihm in den vergangenen Tagen entgegengeschlagen ist. Mit unvorsichtigen Äußerungen hatte er den Euro auf Talfahrt geschickt und Gerüchte über seine baldige Ablösung provoziert. Auf die Nachfrage eines Journalisten sagte er, dass ihm in den vergangenen Tagen viele Ratschläge gegeben wurden. "Ich akzeptiere diese Ratschläge und sage nochmals, dass Interventionen ein Mittel der EZB sind. Sie können aber nur angewendet werden, wenn dies angebracht ist." Ein Gespräch über einen vorzeitigen Rücktritt habe es im EZB-Rat nicht gegeben, sagte Duisenberg, und Trichet beeilte sich, ihm beizupflichten.
Damit gestand er indirekt ein, dass es falsch war, Interventionen generell auszuschließen, wie er dies in einem Interview mit der "Times" getan hatte. Dort hatte er gesagt, dass es in Anbetracht der Nahostkrise und des US-Wahlkampfes derzeit nicht sinnvoll sei zu intervenieren.
Bei der Bewertung der momentanen Konjunktursituation äußerte Duisenberg seiner Sorge über den hohen Ölpreis und wies darauf hin, dass dies als Gefahr für die Preisstabilität gesehen werde. Der EZB-Rat habe jedoch die Leitzinsen zunächst unverändert belassen.
Wenig wollte der EZB-Präsident zur aktuellen Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung sagen. Der Wechselkurs des Euro stehe "nach wie vor in scharfem Gegensatz" zur Stärke der Konjunktur im Euro-Raum, so Duisenberg. Der EZB-Präsident gab sich zuversichtlich, dass der "Zeitpunkt kommen wird, an dem die Märkte dies verstehen". Indirekt unterstrich er jedoch erneut seine Bereitschaft, dem Kurs durch Interventionen zu helfen: "Wir unterstützen eine Stärkung des Euro" sagte er.
Der Euro-Kurs wurde von den Worten Duisenbergs nur unwesentlich beeinflusst. Er blieb schwach und notierte stabil bei etwa 0,842 Dollar.