Euro-Einführung: Finnland trödelt rum - DER SPIEGEL
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Euro-Einführung Finnland trödelt rum

Die Finnen haben es mit der Euro-Umstellung nicht sonderlich eilig: Neujahr 2002 wird maximal ein Fünftel aller Automaten mit dem neuen Bargeld bestückt sein. Schneller geht es nach Aussage der finnischen Zentralbank nicht, denn "Finnland ist groß".
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Brüssel/Helsinki - Die Banken in Finnland lassen sich mit der Umstellung der Geldautomaten einige Tage mehr Zeit als ihre Kollegen in den meisten anderen Ländern der Euro-Zone. Nicht einmal jeder fünfte Automat wird der finnischen Zentralbank zufolge an Neujahr mit Euro gefüllt sein - in Deutschland sollen dagegen alle Automaten bestückt werden.

Die Gelassenheit im nördlichsten Euro-Land sorgte bei der Europäischen Kommission bereits für Nervosität. EU-Währungskommissar Pedro Solbes informierte darüber sogar die europäischen Finanzminister. Die Notenbank in Helsinki zeigte sich dagegen nicht beunruhigt. "Es wäre einfach zu unpraktisch, Finnland ist groß", erklärte Urpo Levo von der Bank von Finnland (Suomi Pankki) das Vorgehen der Kreditinstitute des Landes.

Wegen ihrer Vorliebe für Kreditkarten und andere elektronische Zahlungswege nutzen die Finnen vergleichsweise wenig Bargeld - die Spanier greifen beispielsweise fünfmal häufiger zu den Peseten. Wenn sich die Finnen mit Geld versorgen, dann in erster Linie an Geldautomaten. So gehen die Nordlichter dreimal öfter zum Automaten als die Deutschen, heißt es bei der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Europäische Kommission hatte im Oktober berichtet, in Finnland seien nur 25 Prozent der Geldautomaten pünktlich zum Euro-Start am 1. Januar mit dem neuen Geld bestückt bei einem Durchschnitt von 83 Prozent in der gesamten Euro-Zone. Die finnische Notenbank schätzt sogar, dass weniger als 20 Prozent der Automaten rechtzeitig bestückt sein werden.

"Einige Automaten in den meisten Städten werden um Mitternacht Euro geladen haben, aber das ist alles", sagte Levo, Chef für den Zahlungsverkehr und Euro-Koordinator der Bank von Finnland. Er rechne damit, dass etwa 100 der 2000 Geräte bestückt würden. Die Hälfte soll am 2. Januar fertig sein, und der Rest bis zum 5. Januar. Die 48.000 Geldautomaten in Deutschland werden nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken dagegen komplett schon am 1. Januar umgestellt sein.

Silvester sei in Finnland traditionell ein starker Geschäftstag im Einzelhandel, an dem sehr viel Geld an Automaten abgehoben werde, sagte Levo. Deshalb sei es für die Banken zu unpraktisch, die Geräte am Mittag stillzulegen, um sie umzurüsten. Dies würde nur Chaos verursachen. In Finnland ist es wie in Deutschland den Banken überlassen, ob sie ihre Schalter an Silvester und Neujahr zum Geldabheben öffnen. Die finnische Notenbank wird jedenfalls zum Jahreswechsel um Mitternacht für eine Stunde öffnen, um die ersten Bürger mit Euro zu versorgen.

Die EZB macht sich nach Worten von Antti Heinonen, der bei der Zentralbank für die Banknoten verantwortlich ist, wegen der weiten Verbreitung bargeldloser Zahlungsmittel keine Sorgen über die Euro-Ausgabe im hohen Norden.

Die EU-Kommission hatte dagegen schon im Oktober an Finnland sowie Portugal appelliert, für eine schnellere Umrüstung der Automaten zu sorgen. Währungskommissar Solbes habe dieses Thema auch bereits mehr als einmal bei den Finanzministern der Euro-Zone angesprochen, sagte Benjamin Angel, Euro-Experte der Behörde. Es gebe viele Möglichkeiten, die Geräte schneller mit Euro zu bestücken. "Ich bin wirklich pessimistisch, weil unsere Bitte bei den Banken auf taube Ohren stößt", sagte Angel.