Euro Handel sieht sich nicht als Preistreiber
Berlin - "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen auf die werfen, die sich jeden Tag im Wettbewerb behaupten müssen", sagte Marc Schnerr, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), am Montag. Das Gefühl vieler Verbraucher, dass mit der Euro-Einführung die Preise erhöht wurden, sei ein psychologisches Phänomen, das nicht den statistisch nachvollziehbaren Tatsachen entspreche.
Eichel hatte beklagt, dass sich nicht alle Unternehmen im Handel und in der Gastronomie an die freiwillige Selbstverpflichtung gehalten hätten, die Preise in Verbindung mit der Einführung des Euro nicht zu erhöhen. Eichel hatten von einer gefühlten Inflation gesprochen, die beim Verbraucher zur Verärgerung und zur Kaufzurückhaltung geführt habe.
Dazu sagte der Dehoga-Sprecher, für das Hotel- und Gaststättengewerbe habe es im Gegensatz zum Einzelhandel eine solche Selbstverpflichtung gar nicht gegeben. Dennoch sei der Vorwurf von verbreiteten Euro-Preissteigerung in der Branche falsch. "Ich kann ganz eindeutig sagen, dass eine Euro-Abzockerei im Hotel- und Gaststättengewerbe nicht stattgefunden hat." Dies werde auch dadurch belegt, dass die Preise in der Branche im ersten Quartal nur um 3,7 Prozent gestiegen seien, erheblich weniger als in anderen Bereichen. Dass im übrigen Preise bei Kostensteigerungen erhöht würden, sei in einer Wettbewerbswirtschaft nichts Besonderes.
Auch Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) wies den Vorwurf der Euro-Preissteigerungen zurück. Zur Selbstverpflichtung des Handels, auf Preiserhöhungen in Zusammenhang mit der Euro-Einführung zu verzichten, sagte er: "Alle Unternehmen - bis auf ganz wenige Schwarze Schafe - haben sich daran gehalten." Die eingegangene Selbstverpflichtung habe aber nicht beinhaltet, dass es überhaupt keine Preiserhöhungen geben dürfe. So seien die Anfang des Jahres in Kraft getretene weitere Ökosteuer-Stufe und die Erhöhungen der Tabak- und Versicherungssteuer Gründe für Preiserhöhungen gewesen.
Daneben belege die weitere Verschlechterung der Gewinnmargen in großen Teilen des Handels und schlechtere Umsatzzahlen, dass der Handel die Euro-Einführung nicht zu Preiserhöhungen genutzt habe. Dass viele Verbraucher meinten, die Preise seien seit der Euro-Einführung stark gestiegen, sei ein Gefühl, das sich mit den Fakten nicht decke. Die Vielzahl von Preisnachlässen im Handel im Gefolge des Euros seien im Gegensatz zu den Preiserhöhungen dem Verbraucher nicht im Bewusstsein geblieben. Beim Verbrauche fehle zumeist noch ein Preisgefühl gegenüber dem Euro.