Euro: Interventionsgerüchte kursieren - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Euro Interventionsgerüchte kursieren

Nach seinem Allzeittief von 0,8324 Dollar stieg der Euro im frühen europäischen Handel wieder leicht an. Einige Analysten erwarten neue Stützungskäufe der Notenbanken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstagmorgen seine Sitzung in Paris begonnen, während an den Devisenmärkten angesichts der rasanten Talfahrt des Euro über neue Notenbank-Interventionen spekuliert wird. Trotz des Kurssturzes vom Vortag bis auf ein Allzeittief von 0,8324 Dollar erwarten die meisten Analysten unveränderte Leitzinsen. Die Finanzmärkte blicken weniger auf den Zinsbeschluss selbst, sondern warten gespannt auf die Pressekonferenz mit dem seit Tagen unter Druck stehenden EZB-Chef Wim Duisenberg. Dieser müsse deutlich machen, dass die EZB den Euro sehr wohl am Devisenmarkt stützen kann, sagten Analysten.

Am Mittwoch war der Euro im Zuge der Erholung an den US-Aktienmärkten binnen weniger Stunden um mehr als zwei Cents von 0,8570 Dollar auf 0,8324 Dollar abgestürzt. Am Donnerstagmorgen notierte die Gemeinschaftswährung etwas erholt bei Kursen um 0,841 Dollar.

Spekulationen über neue Stützungskäufe der großen Notenbanken für den Euro verhinderten am Vormittag Händlern zufolge neue Kursverluste. "Außer einer Intervention sehe ich derzeit keinen einzigen Weg, den Euro zu stützen", sagte Ryohei Muramatsu, Devisenhändler bei der Commerzbank in Tokio.

Nur zwei Wochen nach der jüngsten Zinsanhebung würde eine weitere Erhöhung der EZB zum jetzigen Zeitpunkt als Panikreaktion ausgelegt, sagten Analysten. Erst am 5. Oktober hatte die Notenbank zum siebten Mal seit November 1999 die Zinsen erhöht und alle drei Leitzinsen in der Euro-Zone um 25 Basispunkte angehoben. Falls die EZB - wie erstmals am 22. September - wieder gemeinsam mit den anderen Notenbanken der sieben führenden Industrienationen (G7) intervenieren sollte, könnte dies zumindest vorübergehend den Druck auf Duisenberg mildern.

Der EZB-Chef wird seit Wochenbeginn scharf angegriffen, da er in einem Zeitungsinterview signalisiert hatte, die EZB werde im Falle von Kursverlusten wegen der Nahost-Krise nicht zu Gunsten des Euro intervenieren. Duisenberg werde erklären müssen, ob er die Möglichkeit einer weiteren Intervention tatsächlich für unwahrscheinlich halte, oder ob ihm einfach ein Fehler unterlaufen sei, sagten Analysten weiter.

Die Gefahr, sein Amt zu verlieren, ist für Duisenberg jedoch offenbar eher gering. Es wird ohnehin erwartet, dass der Niederländer im Jahr 2002 für den französischen Notenbankpräsidenten Jean-Claude Trichet vorzeitig seinen Platz räumen wird.

Die EZB wird ihren Zinsbeschluss gegen 13.45 Uhr bekannt geben, die Pressekoneferenz mit Duisenberg beginnt um 14.30 Uhr.