Euro Kritik an EZB-Interventionen
Frankfurt am Main - Die vier Interventionen innerhalb von nur einer Woche stuften viele Währungsexperten als uneffektiv oder verfrüht ein. Bemängelt wurde auch, dass die Eingriffe den Kursverfall lediglich stoppten, aber keine Trendwende erreicht hätten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,8673 Dollar nach 0,8531 Dollar am Vortag festgelegt.
Bernhard Pfaff von der Commerzbank sagte der "Welt am Sonntag", die EZB hätte besser "den Wahlausgang in den USA abgewartet", bevor sie interveniert. Es nütze dem Euro, wenn Al Gore gewinne. Falls George W. Bush siege, gerate der Euro dagegen unter Druck. Die Stützungskäufe verpufften dann.
Der Chefvolkswirt der DGZ-DekaBank, Michael Hüther, bezeichnete die Alleingänge der EZB als "ziemlich uneffektiv". Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter sprach den Euro-Währungshüter in der "Welt am Sonntag" zwar eine "kluge Haltung und stoische Ruhe" zu. Er sagte aber auch, dass mit der Strategie der kleinen Interventionen "die Währungsreserven in ein bis zwei Jahren verfrühstückt werden könnten".
Der Frankfurter Euro-Kritiker Professor Wilhelm Hankel wertete die EZB-Eingriffe in derselben Zeitung sogar als "Bankrotterklärung" der bisherigen Strategie. Das einzige, was dem Euro jetzt noch auf die Beine helfe, sei "eine massive Zinserhöhung", forderte Hankel.
Dieter Vesper, Finanzexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, kritisierte die EZB-Interventionen und die Befürchtungen vieler Politiker und Wirtschaftsrepräsentanten wegen des schwachen Euros als "eine unangemessene Dramatisierung".
Versuche, die Gemeinschaftswährung stark zu reden oder sie mit "Mini-Interventionen" zu stützen, "ändern grundsätzlich nichts", sagte Vesper der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das sei zudem überflüssig, weil eine rasche Trendwende zu Gunsten des Euros durchaus möglich sei, da sich das US-Konjunkturklima abkühle. Dann trete das hohe amerikanische Leistungsbilanzdefizit in den Blickpunkt.