Euro-Preise Dienstleister langen am kräftigsten zu
Hamburg - Vielerorts haben die Einzelhändler die Einführung des Euro für kräftige Preissteigerungen genutzt. So kostete das Parken im Jahr 2001 für die erste Stunde im Elbe-Einkaufszentrum in Hamburg noch 50 Pfennig, seit Januar sind es 50 Cent (0,98 Mark) - knapp 100 Prozent mehr.
Insgesamt sind seit dem Juni des vergangenen Jahres rund ein Drittel der Preise für Lebensmittel, Kleidung und andere Produkte um bis zu 30 Prozent gestiegen, wie aus der Preisbeobachtung des Bundesverbandes der Verbraucherverbände hervorgeht.
Sogar um knapp zwei Drittel angezogen haben die Preise bei den Dienstleistungen. Die Steigerungen sind zum Teil erheblich: Rund die Hälfte mehr bezahlt werden muss nach Angaben der Verbraucherschützer beispielsweise für einen Friseurbesuch oder die Vollreinigung einer Hose. Diese Dienstleistung kostete im vergangenen Jahr im Schnitt drei Euro (5,87 Mark) - bis Januar war der Preis auf 4,50 Euro (8,80 Mark) geklettert. Auch das 0,2-Liter-Glas Bier schlägt in Berlin jetzt stärker zu Buche als im Juni 2001: Für 1,05 Euro (2,05 Mark) statt 0,92 Euro (1,80 Mark) wird es einigen Gästen wohl schal schmecken.
Doch in vielen Haushaltskassen herrscht nicht nur wegen dieser Preissteigerungen Ebbe. Auch die Psyche schlägt den Verbrauchern häufig ein Schnippchen: Die scheinbar niedrigen Summen verlocken zum Kauf. So bestätigt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts NFO Infratest Burke in München, dass das Preisgefühl für die neue Währung bei 77 Prozent der Bundesbürger noch unterentwickelt ist.
"Viele Euro-Preise kommen den Käufern um die Hälfte billiger vor", beobachtet Martin Schweer, Professor für Medienpsychologie an der Universität Vechta (Niedersachsen). Dass den Konsumenten noch die Vorstellung für einen angemessenen Preis fehlt, bemerkt auch Henning Haase, Professor für Markt- und Kommunikationspsychologie an der Universität Frankfurt/Main: Jede Summe werde im Kopf normalerweise automatisch mit anderen Preisen für das gleiche Produkt verglichen. "Das Preisgefühl ist durch lange Erfahrung antrainiert", weiß Haase. Doch für den Euro fehlen solche Vergleichswerte bislang.
Rund zwei Monate werde es noch dauern, bis die Einkäufer ein Gespür für die neuen Preisniveaus entwickelt haben. Solange sollte sich jedermann dazu anhalten, die Euro-Preise in D-Mark umzurechnen, rät Haase. Um das Kopfrechnen beim Einkauf zu vereinfachen, sollten alle Summen dabei mit zwei multipliziert werden.
Eine rechtliche Handhabe gegen gestiegene Preise haben Verbraucher dagegen nicht - denn Preisbindungen gibt es nur bei Büchern und bestimmten Arzneimitteln. Fällt ein Preisanstieg für ein Produkt zu üppig aus, bleibt nur, den Händler zu wechseln oder sich andere Sparmöglichkeiten zu überlegen.