Euro-Schwäche "Der Markt ist orientierungslos"
Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs für die Gemeinschaftswährung am Donnerstag auf das Rekordtief von 0,8252 Dollar fest.
Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Laurent Fabius wagte fast als einziger, überhaupt etwas dazu zu sagen. Seiner Meinung nach befindet sich Europa in einer insgesamt positiven Situation. Auf den Zeitpunkt des Aufschwungs wollte er sich aber nicht festlegen: "Ich kann Ihnen nicht sagen, ob das in zwei Wochen, in drei Wochen oder einem Monat sein wird."
Die negative Berichterstattung über die Kursentwicklung des Euro drückt mittlerweile auf das Gemüt der Bevölkerung. Einer Umfrage unter 16.000 Menschen in den EU-Ländern zufolge sprechen sich nur noch 58 Prozent für die Einheitswährung aus. Vor der Einführung des Euro als Rechnungswährung im Januar 1999 waren es noch 64 Prozent gewesen. Die meisten Befürworter gab es in Italien, wo 81 Prozent hinter der Währung standen. Deutschland liegt mit 50 Prozent Zustimmung im hinteren Feld.
Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, sieht vor allem psychologische Gründe für die Euro-Schwäche: "Viele Investoren haben Geld verloren mit dem Euro, haben jetzt Angst und gehen raus. Der Markt ist orientierungslos." Hüfner sagte, solange die EZB nichts tue, "gibt es nur den Weg nach unten". Die Europäische Zentralbank habe ihr Versprechen vom September, den Euro nicht unter 83 Cent fallen zu lassen, nicht gehalten. "Er ist jetzt bei 82 Cent, und sie schaut zu. Keiner weiß mehr, wo's langgeht." Eine neue Währung brauche Pflege, "die kann man nicht einfach fallen lassen", ärgerte er sich.