Eurobarometer: Rezessionsangst ergreift ganz Europa - DER SPIEGEL
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Eurobarometer Rezessionsangst ergreift ganz Europa

Steigende Preise für Brennstoff und Lebensmittel, trübe Aussichten für die Konjunktur: Die Angst vor der Zukunft treibt nicht nur die traditionell skeptischen Deutschen um. Die Sorge vor sinkendem Wohlstand hat inzwischen alle Europäer erfasst, ergab eine Umfrage der EU-Kommission.
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Brüssel - Soviel Einigkeit war selten - zumindest was die Frage der Geldwertstabilität betrifft. Bislang blieben die Franzosen stets lässig, die Briten zumindest gleichmütig, wenn die Inflation einen bestimmten Wert überschritt, der bei den Deutschen bereits die Schmerzschwelle markierte.

EU-Gipfel in Brüssel: Angst vor Arbeitslosigkeit und Wohlstandsverlust

EU-Gipfel in Brüssel: Angst vor Arbeitslosigkeit und Wohlstandsverlust

Foto: REUTERS

Doch die Zeiten ändern sich, und die hohen Energiepreise tragen ihren Teil dazu bei. Besonders die Aussicht, dass sie wohl kaum mehr auf ein erträgliches Maß sinken werden, hat die Zuversicht schwinden lassen. Die Zeiten des ewig wachsenden Wohlstands scheinen endgültig vorbei zu sein. Schlimmer noch: Die Europäer befürchten sogar, dass es ihnen in Zukunft nicht mehr so gut gehen wird, wie bisher.

Die starke Teuerung ist die größte Sorge, die die Menschen in der Europäischen Union eint. In einer Umfrage der EU-Kommission unter 30.000 Bürgern der Mitgliedsstaaten, dem so genannten Eurobarometer, bezeichnete gut ein Drittel der Befragten die Inflation als wichtigstes Problem für ihre Länder. Die Inflation in der Euro-Zone war im Mai auf einen Rekordwert von 3,7 Prozent gestiegen und damit deutlich über die knapp zwei Prozent, bei denen die EZB Preisstabilität gewährleistet sieht. Im Herbst 2007 habe nur jeder vierte Befragte seine Sorge bezüglich der Inflation geäußert, teilte die EU-Kommission am Dienstag mit.

Zudem werden die Wirtschaftsaussichten deutlich pessimistischer eingeschätzt. So erwarteten 46 Prozent der Befragten eine Verschlechterung in den kommenden zwölf Monaten, das sind fast doppelt so viele wie vor einem halben Jahr. Auch was die Gefahr eines Jobverlusts angeht, ist die Zuversicht passe: 39 Prozent der Befragten befürchten hier, dass die Zeiten ungemütlicher werden, das ist ein Anstieg gegenüber der vorhergehenden Umfrage vor einem halben Jahr um 14 Prozentpunkte.

Natürlich wirkt sich der verbreitete Pessimismus auch auf die allgemeine Zustimmung zur EU aus. Nur noch 52 Prozent aller EU-Bürger sind überzeugt, dass die Mitgliedschaft ihres Landes in der Union eine gute Sache sei. Dies sind sechs Prozentpunkte weniger als vor sechs Monaten. In Deutschland lag der Rückgang bei sieben Punkten, doch betrug die Zustimmung immerhin noch 60 Prozent. In Großbritannien finden nur 30 Prozent, dass die EU-Mitgliedschaft gut ist, in Lettland sind es sogar nur 29 Prozent.

Die These, dass das eigene Land einen Vorteil aus seiner Mitgliedschaft in der EU ziehe, fand mit einem Minus von vier Prozentpunkten ebenfalls weniger Zustimmung.

Gleichwohl ist in einigen Aspekten trotz der schlechten Stimmung ein gegenläufiger Trend zu beobachten: Die Anhängerschaft der EU als Idee ist insgesamt gewachsen. 50 Prozent der Befragten - und damit zwei Prozent mehr als vor sechs Monaten - halten die Gemeinschaft für gut. Die Kritik richtet sich in erster Linie gegen die Institutionen.

Interessanter Nebenaspekt: Ausgerechnet die Iren gehören zu jenen EU-Bürgern, die das positivste Bild von der Union haben - ungeachtet der Ablehnung des Lissabon-Vertrags. 65 Prozent der Iren gaben an, ein positives Bild von der EU zu haben. Nur die Rumänen (67 Prozent) fanden die EU insgesamt noch besser. Von den Deutschen stellten dagegen nur 44 Prozent Europa ein gutes Zeugnis aus - das sind fünf Punkte weniger als vor einem halben Jahr und liegt unter dem EU-Durchschnitt von 48 Prozent.

Offenbar hätten andere Gründe als das Bild der EU zum Scheitern der Volksabstimmung in Irland über den Lissabon-Vertrag geführt, sagte ein EU-Sprecher bei der Vorlage der Zahlen.