Eurohypo-Deal: "Der Charakter der Commerzbank wird sich ändern" - DER SPIEGEL
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Eurohypo-Deal "Der Charakter der Commerzbank wird sich ändern"

Mit der Übernahme der Eurohypo rückt die Commerzbank in der deutschen Bankenhierarchie auf den zweiten Platz vor. Der Kauf der Immobilienbank ist sicherlich ein guter Deal, eine Garantie für die Unabhängigkeit ist er dennoch nicht.
Von Arne Stuhr
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Hamburg - "Müller wagt den Angriff" ("Die Welt"), "Manager mit Mut" ("Berliner Morgenpost"); auf solche Schlagzeilen hat Commerzbank-Primus Klaus-Peter Müller lange warten müssen. Hatten doch zuletzt so hässliche Themen wie Geldwäsche - Müller ist inzwischen von der Bankenaufsicht entlastet worden - oder die geschäftlichen Verbindungen der Commerzbank   mit dem strauchelnden Filmfondsanbieter VIP die Berichterstattung dominiert. Und das ausgerechnet jetzt, wo der auf seine Öffentlichkeitswirkung sehr bedachte Coba-Chef auch dem Bundesverband deutscher Banken vorsteht.

Sei's drum, nun also Eurohypo. Die Analysten sind sich weitgehend einig, dass die jetzt bekannt gegebene komplette Übernahme der Immobilienbank, an der die Commerzbank bereits mit knapp 32 Prozent beteiligt ist, ein guter Deal ist. Das Geschäft generiere stabile Erträge und außerdem kenne die Commerzbank die Eurohypo bereits bestens, was die Risiken reduziere, konstatiert Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Das sieht auch Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck so. "Die Sache rechnet sich", sagte Becker im Gespräch mit manager-magazin.de. Die von vielen Kommentatoren herausgestellte nun verstärkte Sicherung der Unabhängigkeit der Commerzbank bezeichnete der Bankenexperte aber lediglich als "netten Nebeneffekt" mit begrenzter Halbwertszeit. "Wenn sich zum Beispiel eine Citibank   in den Kopf setzen würde, ihr Engagement in Deutschland zu verstärken, würde sie sich bestimmt nicht von drei oder vier Milliarden mehr Börsenwert davon abhalten lassen", so Beckers Einschätzung.

Wenn überhaupt, biete die größere Komplexität der neuen Konzernstruktur einen gewissen Schutz vor unliebsamen Interessenten. "Der Charakter der Commerzbank wird sich ändern, sie wird zu einer HypoVereinsbank Teil zwei, also einer großen Immobilienbank mit angehängter Retail-Abteilung", lautet Beckers Fazit, der aber ergänzt, dass die Bücher der Eurohypo sauber und nicht mit den damals bei der HVB entstandenen Risikopositionen zu vergleichen seien. Auch LRP-Analyst Kayser spricht von einem Strategiewechsel, da sich die Commerzbank nun wieder verstärkt auf das Ausland konzentriere, aus dem man sich in der Vergangenheit zurückgezogen habe.

Dass die Commerzbank, die nach einem guten dritten Quartal eine auf das Gesamtjahr gerechnete Rendite vor Steuern von 12 Prozent in Aussicht stellt, den Anfang des Monats verkündeten Kauf von 18 Bürogebäuden des Landes Hessen ausgerechnet vom jetzigen Nebenbuhler Hypo Real Estate (HRE)   finanzieren ließ, wertet Merck-Finck-Analyst Becker nicht als Zeichen für eine im Schnellverfahren erfolgte Entscheidung zur Übernahme der Eurohypo. Bei dem Immobiliendeal sei es schlicht um die besseren Konditionen gegangen, den Ausschlag für den Entschluss zum Eurohypo-Kauf hätten vielmehr die wie auch immer gearteten Verhandlungen zwischen Allianz und HRE gegeben.

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