Europa: Auslandsüberweisungen sollen billiger werden - DER SPIEGEL
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Europa Auslandsüberweisungen sollen billiger werden

Wer Geld ins europäische Ausland überweisen will, wird von den Banken gnadenlos abgezockt. Mehrere EU-Gremien wollen dem nun einen Riegel vorschieben.
Von Rudolf Wagner
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - Bei Überweisung von 100 Euro aus Deutschland in ein Euro-Ausland werden im Schnitt 14 Euro an Bearbeitungsgebühren berechnet, von Irland aus sind es sogar 26 Euro. Obwohl es gegen geltende Gesetze verstößt, berechnen Banken bei jeder vierten Auslandsüberweisung ihre Kosten doppelt: beim Absender und beim Empfänger.

Die Banken "zögern offenbar, die erforderlichen Investitionen zur Modernisierung und Automatisierung ihrer grenzüberschreitenden Zahlungssysteme vorzunehmen", heißt es in einem Bericht, der jetzt vom Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments verabschiedet wurde. Außerdem vermuten die Brüsseler Wettbewerbshüter Absprachen unter den Banken, um die Überweisungsgebühren trotz fester Euro-Wechselkurse hoch zu halten.

Nach überraschenden Inspektionen hat die EU-Kommission bereits im Sommer ein Verfahren gegen 120 Geldhäuser in acht europäischen Ländern eingeleitet. Dabei ging es zunächst nur um Umtauschgebühren bei Bargeld und Schecks. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti stellte dazu klar, dass sich "niemand der Illusion hingeben sollte, wir würden Absprachen über diese Gebühren hinnehmen".

Wenn Brüssel auch nur einigen der 120 beschuldigten Banken Kartellbildung nachweisen kann, werden saftige Strafen entsprechend der unzulässigen Mehreinnahmen und der Dauer des Rechtsbruchs fällig. Mehrere deutsche Banken müssen sich rechtfertigen, darunter Dresdner Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank sowie die belgische Filiale der Deutschen Bank.

Bei einer Anhörung Anfang November wird sich zeigen, ob sich die Banken bei den Umtauschgebühren aus der Affäre ziehen können. EU-Kommission, europäische Zentralbank und EU-Parlamentarier wollen sie dann auch mit der weit unangenehmeren Frage der überhöhten Gebühren für Auslandsüberweisungen konfrontieren.

Die Verteidigungsstrategie der Banken ist schon heute klar. Einige Länder, zum Beispiel Italien, Frankreich oder Belgien, verlangen im Internetzeitalter immer noch handschriftliche Auslandsüberweisungen. Andere Regierungen wollen Steuerflüchtlingen auf die Schliche kommen, indem sie selbst bei 10-Mark-Überweisungen auf der Meldepflicht bestehen. Das alles kostet die Banken Arbeit und viel Geld. Aber die Geldhäuser werden Schwierigkeiten bekommen, wenn sie erklären wollen, warum grenzüberschreitende Zahlungen 10- bis 20-mal so viel kosten wie Inlandsüberweisungen. Zudem diskriminieren sie damit den einfachen Bankkunden, denn die Millionentransfers großer Firmen werden natürlich zu weit besseren Konditionen abgewickelt.

Wim Duisenberg, der Chef der Europäischen Zentralbank, hat durchsetzen können, dass Ende 2001 die Meldepflicht für Auslandsüberweisungen unter 25 000 Mark ausläuft. Das hilft sparen. Die Europäische Zentralbank überlegt außerdem, die widerspenstigen Geldhäuser in den elf Euroländern und Griechenland auf Standards für die automatisierte Ausführung grenzüberschreitender Überweisungen und einheitliche Gebühren zu verpflichten. Dann müssten sie in neue Infrastrukturen investieren, die Auslandsüberweisungen tatsächlich verbilligen könnten. Bis dahin bleibt der beste Rat, mit Plastikgeld zu verreisen.