Europa IEA warnt vor Gas-Engpässen
Hamburg - In einem vertraulichen Brief warnte IEA-Exekutivdirektor Claude Mandil die G7-Energieminister, dass das russische Unternehmen Gasprom "in einigen Jahren in Lieferengpässe im Verhältnis zu seinen bestehenden Verträgen geraten wird, die 80 bis 90 Milliarden Kubikmeter erreichen werden", berichtet die "Financial Times Deutschland". Der Zeitung liegt nach eigenen Angaben Mandils Brief vor.
2005 exportierte Russlands staatlicher Gasversorger nach dem Bericht 171 Milliarden Kubikmeter Gas. In seinem Schreiben machte Mandil der Zeitung zufolge konkrete Vorschläge, wie künftige russische Lieferengpässe zumindest abgefedert werden könnten. Allein 2004 habe Russland rund 70 Milliarden Kubikmeter Gas beim Transport, der Zulieferung und durch Abfackeln nutzlos "verbraucht oder verloren". Die IEA glaubt, dass davon 30 Milliarden Kubikmeter durch bessere Technik oder Energieeffizienz "eingespart" werden könnten.
Gasprom spielte die IEA-Warnungen herunter. "Namhafte deutsche Unternehmen würden nicht mit Gasprom an dem Milliardenprojekt Ostsee-Pipeline arbeiten, wenn sie Zweifel hätten an Gasproms Lieferfähigkeit", sagte Claus Bergschneider, Geschäftsführer der Gasprom-Tochter ZMB in Berlin, der "FTD". Auch Georg Wilhelm Adamowitsch, Energiestaatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium sagte der Zeitung: "Die Russen haben bislang alle Verträge eingehalten."
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte erst am vergangenen Wochenende mit Russlands Präsident Wladimir Putin über eine sichere Energieversorgung für Europa gesprochen. Putin sei nur zu einer eingeschränkten Zusammenarbeit bereit, sagte Barroso in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir waren uns nicht in allen Punkten einig." Im Hinblick auf die Energie-Charta habe Putin die bekannten Positionen vertreten. "Sie sind allen Fragen gegenüber verschlossen, die einen Zugang Dritter zu ihrem Netz auf russischem Boden betreffen."
Eine von der EU favorisierte Energie-Charta werde es damit vorerst nicht geben. "Sie wollen das nicht, zumindest nicht in dieser Phase", sagte der Kommissionspräsident. Trotzdem sei er überzeugt davon, "dass es für weitere Verhandlungen und eine echte Partnerschaft Raum gibt." Putin sei eindeutig an Investitionen europäischer Unternehmen in Russland auch im Energiebereich interessiert.
Barroso hatte in Vorbereitung auf den EU-Frühjahrsgipfel am Donnerstag und Freitag Gespräche mit Putin geführt. Nach dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine sowie wegen hoher Energiekosten für Wirtschaft und Verbraucher ist eine sichere Versorgung Europas eines der Hauptthemen der Regierungschefs.
fok/dpa/Reuters