Europäische Zentralbank Duisenberg pokert
Frankfurt - Von den Kursverlusten an den US-Aktienmärkten profitierte der Euro bislang nicht. Zuletzt pendelte die Gemeinschaftswährung um die Marke von 91 US-Cents. Händler erklärten dies mit der Schwäche der europäischen Aktienmärkte.
Zudem hätten die schwachen US-Börsen auch nicht zu einem Kapitalzufluss in die Euro-Zone geführt. "Das Geld wird aus den Aktienmärkten abzogen, aber nicht notwendigerweise aus den Vereinigten Staaten", sagte ein Analyst. Stattdessen flüchteten sich die Anleger in die sicheren fest verzinslichen US-Staatsanleihen.
Gleichwohl will EZB-Präsident Wim Duisenberg keine Hilfsmaßnahmen für den Euro ergreifen. Die meisten Marktbeobachter prognostizieren zwar eine Rücknahme der Leitzinsen bis zum Jahresende um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte. Doch kurzfristig werde der EZB-Präsident Wim Duisenberg stillhalten, heißt es. Auf jeden Fall dürfte die EZB ihre Zinsen in diesem Jahr nicht so deutlich zurücknehmen wie die US-Notenbank.
EZB-Präsident Wim Duisenberg habe immer wieder betont, dass die europäische Zentralbank der US-Notenbank Fed nicht einfach in ihrem Zinssenkungszyklus folgen werde. Daher werde die EZB momentan vorerst stillhalten, erwartet auch Stephan Rieke von der BHF-Bank.
Emmanuel Ferry von Exane zufolge hat sich Bundesbankpräsident Ernst Welteke sogar noch weiter aus dem Fenster gelehnt und eine Zinssenkung als zu früh bezeichnet. Möglich sei aber auch, dass die europäische Notenbank den Markt über eine geplante Zinssenkung im Unklaren lassen wolle, um zu verhindern, dass der Markt diese durch Veränderungen des Wechselkurses vorwegnehme, so Ferry.
Eine Absenkung sei schon deshalb unwahrscheinlich, weil die Inflationsrate noch über dem Referenzwert liegt und das Wachstum in diesem Jahr das langfristige Expansionspotenzial von 2,5 Prozent pro Jahr übertreffen wird. Die Preissteigerung hatte mit 2,4 Prozent im Januar weiterhin deutlich über dem EZB-Inflationsziel von zwei Prozent gelegen.
Mit Blick auf diese Zahlen hält der Volkswirt Klaus Baader von Lehman Brothers den Zinssatz für angemessen. Ein Händler meinte, die EZB wolle erst einmal schauen, ob die Wirtschaft im Euroland deutlich unter der Abschwächung der US-Wirtschaft leiden werde.
Seit 9.30 Uhr tagen die Mitglieder des EZB-Rates. Ursprünglich war als Tagungsort Dublin geplant, wegen der Maul- und Klauenseuche wird nun aber in einer Tele-Konferenz beraten.