Euroschwäche: EZB in der Zwickmühle - DER SPIEGEL
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Euroschwäche EZB in der Zwickmühle

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen nicht gesenkt, wie erwartet. Das war richtig, denn die Inflation in Euroland steigt immer weiter. Oder falsch, denn die Konjunktur lahmt, der Euro fällt.
Von Annegret Loges
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Schon spekulieren Devisenhändler darüber, ob der Euro seine historischen Tiefstände bei 0,82 Dollar wieder erreichen wird. Im Laufe des Tages sank die europäische Einheitswährung bereits auf ein neues Jahrestief von 0,8556 Dollar. Überraschend schlechte Wachstumsdaten aus Frankreich und Deutschland in Kombination mit Inflationsraten weit über der von der EZB angepeilten Zwei-Prozent-Marke - das riecht ganz nach Stagflation, der ungesunden Mischung aus stagnierender Konjunktur, gepaart mit Inflation.

Im Jahresvergleich wuchs die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2001 um zwei Prozent - so langsam wie seit dem dritten Quartal 1999 nicht mehr. In Frankreich belief sich die Wachstumsrate nach amtlichen Angaben auf 0,5 Prozent, was deutlich unter den Analysten-Prognosen lag.

Am Dienstag war schon der ifo-Geschäftsklimaindex, ein Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, erstaunlich schlecht ausgefallen. Für April fiel er von 93,9 auf 92,5 Punkte, stärker als erwartet. Einen absoluten Negativrekord meldete das Statistische Bundesamt: Im Mai stieg die Inflation in Deutschland auf 3,5 Prozent, den höchsten Stand seit Dezember 1993.

Das schadet dem Euro: In den vergangenen Monaten konnte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas von ihren Allzeittiefs erholen. Endlich schien das von den europäischen Regierungen und der EZB immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragene Argument zu greifen, der Euro werde sich erholen, denn die Wirtschaft Eurolands wachse stärker als die der USA.

Jetzt sind die Vereinigten Staaten wieder optimistischer geworden: Zum Jahresende rechnet man wieder mit einem Wirtschaftswachstum zwischen drei und vier Prozent. Deutschland hingegen wird wohl nur noch Wachstumsraten von unter zwei Prozent erreichen. Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, rechnet gar nur noch mit 1,5 Prozent.

Was die europäische Notenbank auch macht: Es wird falsch sein. Entschließt sie sich bei einer ihrer nächsten Ratssitzungen zu einer Zinssenkung, heizt sie die Inflation in Euroland - derzeit bei 2,9 Prozent - noch weiter an. Lässt sie die Zinsen unverändert, droht Schelte, sie würge die Konjunktur weiter ab.