Expansion: Aldi baut Brückenkopf in der Schweiz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Expansion Aldi baut Brückenkopf in der Schweiz

Die Strategie verfolgte Aldi-Süd-Chef Karl Albrecht bereits seit längerem. Doch jetzt scheinen die wichtigsten Hürden überwunden. Der Discounter startet seine Großoffensive in der Schweiz. Doch trotz des hohen Preisniveaus der Einzelhandelspreise - gering ist das Risiko nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

St. Gallen - Es ist eigentlich nur eine Formalie, ein kleiner Eintrag im Handelsregister: Darin hat der deutsche Einzelhandels-Discounter Aldi seiner Schweizer Niederlassung einen neuen Namen gegeben. Nicht mehr Profecta Handels AG soll das Unternehmen heißen, sondern Aldi Suisse Discount- und Detailhandels AG.

Doch die Eintragung vom 12. August fand ein großes Echo in den Schweizer Medien - das "St. Galler Tagblatt" breitete detailversessen alle Einzelheiten aus. Die Schweizer Gesellschaft des deutschen Discount-Riesen wolle den "Einzelhandel als Kerngeschäft, aber nicht ausschließlich im Bereich von Gütern des täglichen Bedarfs" betreiben, heißt es dort.

Das Echo kommt nicht von ungefähr - denn der Registereintrag wirkt gleichsam wie ein Startschuss für ein Projekt, das die Eidgenossen schon seit längerer Zeit umtreibt: Aldi wagt den Schritt über den Bodensee.

Dass der Discounter es diesmal ernst meint, lesen Branchenkenner an der Einzahlung auf das Eigenkapitalkonto ab. Aldi-Süd-Chef Karl Albrecht hatte das Guthaben von 250.000 auf 150,2 Millionen Schweizer Franken aufgestockt und damit gleichzeitig grünes Licht für die Expansion gegeben.

Das Projekt ist durchaus ehrgeizig - Seit längerem schon verhandelt Aldi mit verschiedenen Kommunen über die Ansiedlung von Aldi-Märkten, wie eine Sprecherin des Handelskonzerns bestätigte. Zeitungsberichten zufolge sind zunächst 60 neue Märkte geplant. Sechs Bauanträge für Supermärkte sind bereits eingereicht. Drei liegen im Grenzkanton Thurgau zu Deutschland. Daneben laufen auch Gesuche in den Kantonen St. Gallen, Zürich und Aargau.

Doch die empfangen den Discounter längst nicht in der Weise mit offenen Armen, wie man dies in einer liberalen Marktwirtschaft erwarten würde. Viele Stadträte sperren sich - angeblich, weil die Läden zu viel Verkehr in die Innenstädte brächten. Discounter-Fans sehen darin allerdings eine durchsichtige Abschottungspolitik zum Schutze der Schweizer Einzelhandelsriesen Migros und Coop, die den Markt mit jeweils rund zehn Milliarden Franken Umsatz pro Jahr zu rund 70 Prozent unter sich aufteilen.

Die Marktherrschaft von Migros und Coop hat dazu geführt, dass die Preise im Schnitt mehr als 50 Prozent über denen liegen, die EU-Bürger in ihren Ländern bezahlen müssen. Das Angebot ist zwar, wie auch Kritiker einräumen, seinen Preis allemal wert, dennoch - mit einem freien Markt hat die Abschottungspolitik nichts mehr zu tun. Tenor: Es muss auch billiger einkaufen können, wer nicht so viel Wert auf Qualität legt.

Verständlich, dass die etablierten Einzelhändler die Offensive mit Sorge betrachten. Denn Aldi könnte sein Angebot sogar bis zu 60 Prozent billiger anbieten als die großen Schweizer Einzelhändler. "Das könnte zu allgemein tieferen Preisen führen", meint Sprecherin Claudia Bürgler von der Einzelhandelskette Pick-Pay.

Migros und Coop haben allerdings auch genügend marktübliche Hebel zur Verfügung, um sich zur Wehr zu setzen. Denn Aldi benötigt für den Bau entsprechender Ladenflächen Grundstücke, die mindestens 5000 Quadratmeter groß sind und möglichst auch nicht allzu weit vom Schuss liegen. Die besten Lagen aber haben die Platzhirsche bereits belegt.