Expansion: Springer will zweite polnische Zeitung - DER SPIEGEL
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Expansion Springer will zweite polnische Zeitung

Der Springer-Verlag will neben dem Erfolgs-Blatt "Fakt" eine zweite Zeitung auf dem lukrativen polnischen Markt einführen. Die Konkurrenz fürchtet die wachsende Meinungsmacht des Verlags. In Deutschland tobt der Streit um die ProSiebenSat.1-Übernahme unterdessen heftig weiter.
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Hamburg - Bereits im März, spätestens aber im April solle die neue Zeitung in Polen starten, berichtet die "Financial Times Deutschland" mit Verweis auf Branchenkreise. Damit wolle der Axel Springer Verlag die Erfolgsgeschichte der Zeitung "Fakt" fortsetzen. "Wir untersuchen die Marktchancen für eine weitere Tageszeitung", bestätigte der zuständige Springer-Vorstand, Andreas Wiele, gegenüber der Zeitung. Die endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

"Wir haben bei 'Fakt' gesehen, dass der Zeitungsmarkt in Polen unglaublich erweiterungsfähig ist", sagte Wiele. "Wir glauben, dass das auch in einem anderen Segment oberhalb des Boulevardzeitungsmarkts möglich ist." Derzeit arbeite eine Redaktion in Warschau an dem neuen Blatt.

In Polen selbst wird das Engagement allerdings mit tiefem Misstrauen beäugt. Der börsennotierte Agora-Konzern, dessen "Gazeta Wyborcza" Springer mit dem neuen Blatt angreift, äußerte harsche Kritik an den Expansionsplänen der Deutschen. Agora wollte sich zu den Plänen zwar nicht direkt äußern, Konzernchefin Wanda Rapaczynski griff aber die Rolle von Springer heftig an. "Es ist möglich, dass bei diesem Expansionstempo in Polen Axel Springer in einigen Jahren auch darüber entscheiden wird, wer polnischer Ministerpräsident wird", sagte sie der "FTD".

Springer hielt Ministererlaubnis für verfassungswidrig

In Deutschland tobt derweil der Streit um die von Springer geplante Übernahme der ProSiebenSat.1-Fernsehkette ungemildert weiter. Bevor sich morgen die Landesmedienanstalten treffen, um über die Fusion zu beraten und möglicherweise das Veto der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) zu kippen, hat der KEK-Vorsitzende Dieter Dörr das Verhalten der Landeseinrichtungen scharf kritisiert.

Mehrere Landesmedienanstalten hatten Zweifel an dem Vorgehen der KEK geäußert, die die Übernahme aus Furcht vor einer zu starken Konzentration der Meinungsmacht untersagt hatte. Deshalb hatten die rheinland-pfälzische Landeszentrale für Medien und Kommunikation und die bayerische Medienaufsicht angekündigt, die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten anrufen zu wollen, um die Übernahme doch noch zu ermöglichen. Mit einer Dreiviertel-Mehrheit können die Länderorganisationen das KEK-Votum außer Kraft setzen.

Der Direktor aus Rheinland-Pfalz, Manfred Helmes, hatte außerdem erklärt, der Hauptausschuss der Landeszentrale teile weder die Einschätzung der KEK noch die KEK-Berechnung der gemeinsamen Reichweite von Springer-Zeitungen und ProSiebenSat.1.

Der KEK-Vorsitzende Dörr zeigte sich besonders von diesen Kommentaren irritiert. Angesichts der neuesten Entwicklungen müsse sich die Öffentlichkeit große Sorgen machen, ob die Meinungsvielfalt gesichert sei, erklärte er. Es sei zu bezweifeln, dass durch die Landes-Direktoren-Konferenz "eine unvoreingenommene Überprüfung am Maßstab der Vielfaltsicherung gewährleistet ist". Denn es gehöre "zu den vornehmsten Pflichten von Mitgliedern eines solchen Entscheidungsgremiums, Beschlüsse nicht zu kommentieren, über die man demnächst befinden muss".

Unterdessen berichtete die "Süddeutsche Zeitung", dass sich der Springer-Verlag, der einen Antrag auf Ministererlaubnis für die Übernahme erwägt, noch vor drei Jahren vehement und sehr grundsätzlich gegen eine solche Erlaubnis im Medienbereich gewandt habe. Eine Ministererlaubnis verstoße "gegen den von der Pressefreiheit umfassten Grundsatz der Staatsfreiheit der Presse und den Gleichheitsgrundsatz", zitiert die Zeitung aus einem Schriftsatz der Springer-Anwälte vom 21. März 2003: "Für eine Anwendung der Ministererlaubnis im Pressemarkt ist aus verfassungsrechtlichen Gründen kein Raum." Damals sei es um den Erwerb des Berliner Verlags durch die Holtzbrinck-Gruppe gegangen.