Experten: Rover stehen harte Zeiten bevor - DER SPIEGEL
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Experten Rover stehen harte Zeiten bevor

Das Phoenix-Konsortium will in zwei Jahren mit Rover Gewinn machen und insgesamt weniger als 1000 Beschäftigte entlassen. Experten befürchten aber, dass Rover nur eine "Galgenfrist" bleibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - John Towers und der Phoenix-Gruppe wird nur von den wenigsten Branchenkennern zugetraut, die Unabhängigkeit der Marke Rover auf lange Sicht erhalten zu können. Seine Pläne, in Longbridge pro Jahr bis zu 200.000 Autos zu bauen und bis zu zwei Drittel der 9000 Arbeitsplätze zu retten, werden ebenfalls weitgehend kritisch kommentiert. "Rover hat eine Belebungsspritze bekommen, aber es stehen harte Entscheidungen bevor", sagte Karel Williams, Professor an der Manchester University.

Tatsache bleibt, dass die alten Probleme auch nach der guten Nachricht für Rover nicht verschwinden. Der unverändert hohe Pfundkurs belastet das Exportgeschäft schwer, für das Rover die Hälfte seiner Autos produziert. Die veraltete Anlage von Longbridge brauche auch künftig riesige Investitionen, sagte Mark Norman von der Forschungsgruppe CAP Motors. "Wenn Rover bei Investitionen und neuen Modellen einfach stehen bleibt, ist der Phoenix-Plan weiter nichts als eine Galgenfrist", fügte er hinzu.

Die Experten gehen einhellig davon aus, dass Rover sich auf lange Sicht mit einem anderen Hersteller zusammenschließen muss, um neue Modelle auf den Markt zu bringen. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name des japanischen Herstellers Honda, mit dem Towers vor der BMW-Übernahme erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Auch für die Labour-Regierung könnte die Erleichterung nur von kurzer Dauer sein, kommentierte der britische Fernsehsender BBC. Wenn Rover in sechs Monaten nicht floriert, könnte die Regierung von Tony Blair erneut unter großen Druck geraten, den Konzern zu retten.

Einige Argumente sprechen jedoch dafür, dass Towers eine Chanche zur Rettung von Rover hat. Die Produktion des Erfolgmodells Rover 75 wird von Cowley bei Oxford nach Birmingham verlegt und damit moderner und kostengünstiger. Zur Aufrechterhaltung der Produktion stehen ihm umgerechnet 660 Millionen Mark einer US-Bank zur Verfügung.

Außerdem verkaufen sich Rover-Autos zur Zeit gut. Im April verdoppelte sich ihr Marktanteil in Großbritannien auf zwölf Prozent, die Zahl der Erstzulassungen stieg gegen den allgemeinen Branchentrend stark an. Dabei spielten, so meinen Branchenkenner, patriotische Gefühle und erhebliche Preissenkungen eine Rolle.