Experten: Terroranschlag lähmt Weltkonjunktur - DER SPIEGEL
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Experten Terroranschlag lähmt Weltkonjunktur

Auf Grund der verheerenden Terroranschläge in den USA sehen Experten auch für die Konjunktur schwarz. Die meisten erwarten eine weltweite Rezession.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, rechnet mit dem Schlimmsten. "Ich nehme an, dass wir im vierten Quartal dieses Jahres in den USA ganz sicher eine Rezession haben werden", sagte Walter im Inforadio Berlin-Brandenburg. Nach den Ereignissen würden die US-Bürger nicht gerade in einen Konsumrausch verfallen.

Das Konsumverhalten der Amerikaner habe auch schwerwiegende Folgen für die europäischen und die asiatischen Länder, sagte Walter. Insbesondere die deutsche Wirtschaft müsse mit einem Rückgang ihres Exportgeschäfts rechnen.

In den deutschen Konzernzentralen wird denn auch mit Sorge beobachtet, wie die US-Wirtschaft und die Konsumenten Nordamerikas auf den Schock der Terroranschläge reagieren. Auch hier ist man der Meinung, dass ein deutlich nachlassender Konsum über Umwege auch negative Folgen für die Bundesrepublik haben könnte.

Die Ausfuhren der deutschen Wirtschaft waren im ersten Halbjahr die wichtigste Stütze der Konjunktur. Trotz weltweiter Flaute konnten die Lieferungen ins Ausland von Januar bis Juni nochmals um 11,4 Prozent auf 626,4 Milliarden Mark gesteigert werden.

Vor allem die deutsche Automobilindustrie und der Maschinenbau verdanken ihre Zuwächse der guten Nachfrage aus den USA. Vor allem die Hersteller VW, Audi, BMW, Mercedes und Porsche konnten im bisherigen Jahresverlauf die relative Schwäche des deutschen Marktes über steigende Lieferungen nach Übersee mehr als ausgleichen. Von Januar bis Juni legten die Auto-Exporte in die USA um neun Prozent auf 20,3 Milliarden Mark zu. Damit geht ein Sechstel des Autoexports auf das Konto der Vereinigten Staaten.

Auch für den Maschinenbau sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Absatzmarkt. Bei einem Exportanteil von 12,5 Prozent werden in den USA für gut 20 Milliarden Mark Maschinen und Anlagen in diesem Jahr verkauft.

Wann es zu einer spürbaren Erholung der angespannten Lage kommen wird, wagt denn auch kaum jemand vorherzusagen. "Wir rechnen mindestens damit, dass sich Erholung der Konjunktur in den USA um ein bis zwei Quartale verzögern wird", sagte Hans-Jürgen Müller, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels.

Der allgemein pessimistischen Stimmung versucht allein der deutsche Bankenverband etwas entgegenzusetzen. In seinem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht heißt es: "Sorgen vor einer weltweiten Rezession wären insbesondere dann angebracht, wenn es zu einer nachhaltigen Krise auf den Rohölmärkten käme. Dies ist aus heutiger Sicht aber nicht zu befürchten."

Außerdem hätten die wichtigsten Zentralbanken der Welt klargestellt, dass sie die Stabilität der Finanzmärkte gegebenenfalls mit zusätzlicher Liquidität gewährleisten werden. Auch an den internationalen Devisenmärkten habe sich die Lage schnell wieder beruhigt. Allerdings hätten die Terrorakte in den Vereinigten Staaten die Verunsicherung über weltwirtschaftliche Entwicklung erhöht, hieß es weiter.

Dazu gehört auch, dass niemand vorherzusagen wagt, wie sich die Krise weiterentwickelt. Ein Experte flüchtet sich in Fatalismus: "Panikmache ist kein guter Ratgeber", sagte er. Im Falle eines Vergeltungsschlages sei eine zuverlässige Einschätzung der Folgewirkungen auf die Weltkonjunktur ohnehin kaum möglich.

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