Explodierende Stahlpreise Ostsee-Pipeline wird deutlich teurer
Moskau/Düsseldorf - Die bisherige Kalkulation muss Anfang 2008 angehoben werden, teilte das Pipeline-Konsortium Nord Stream mit. Das Unternehmen gehört mehrheitlich dem russischen Energiekonzern Gasprom, weitere Anteile halten E.on und BASF aus Deutschland sowie Gasunie aus den Niederlanden. Nach bisherigen Schätzungen kostet der Bau mindestens fünf Milliarden Euro. Der Aufsichtsratschef von Nord Stream, Altkanzler Gerhard Schröder, hält aber nach Presseberichten bis zu acht Milliarden Euro für möglich.
Alle Energieprojekte würden derzeit teurer, sagte E.on-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann gestern am Rande einer Preisverleihung in Moskau. Das Projekt sei aber weiter ökonomisch sinnvoll. Zu der von Schröder genannten Zahl wollte er sich nicht äußern.
Nach Angaben von Nord Stream schlagen vor allem die gestiegenen Stahlpreise höher zu Buche als in der Schätzung von 2005. Die genaue Kalkulation werde im Februar oder März erstellt, wenn alle Verträge unter Dach und Fach seien. Die Baukosten umfassen die Röhren und ihre Verlegung, Logistik und Umweltschutzmaßnahmen. Ab 2010 soll die Pipeline Gas aus Sibirien nach Deutschland pumpen.
In Polen, Schweden und im Baltikum stoßen die Pipeline-Pläne auf Widerstand. Ein Grund ist, dass Russland bei direkten Gaslieferungen nach Deutschland nicht mehr auf das Transitland Polen angewiesen wäre. Auch Umweltbedenken bereiten den Anrainern Sorge. Nord Stream hat bereits erklärt, dass wegen Umweltauflagen und wegen Munitionsüberresten in der Ostsee alternative Streckenverläufe geprüft würden.
Der Miteigentümer BASF hatte in einer Präsentation vom November 2006 die Kosten sogar auf neun Milliarden Euro geschätzt. "Das ist eine vorläufige Schätzung von unserer Seite gewesen", sagte ein Sprecher heute. "Die genauen Zahlen werden zurzeit von Nord Stream errechnet." Die höhere Zahl sei damals wegen stark gestiegener Konstruktions- und Rohstoffkosten kalkuliert worden. E.on und BASF sind an dem Projekt mit je 20 Prozent beteiligt, 51 Prozent hält Gasprom. Der holländische Gasunie-Konzern ist mit neun Prozent dabei.
Nord Stream bekräftigte, dass ungeachtet der Kostenfrage der Zeitplan für den Bau eingehalten werde. Demnach soll mit dem Bau im Frühjahr oder Sommer 2009 begonnen werden. Die erste Röhre soll 2010 fertig gestellt sein, eine zweite ist danach geplant. Die Finanzierung sei durch die Partner gesichert. Weitere Firmen sollen nicht in das Konsortium aufgenommen werden.
Von den Investitionskosten fließt ein Teil in die Kasse des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns Salzgitter. Das zusammen mit der Dillinger Hütte geführte Gemeinschaftsunternehmen Europipe hat von Nord Stream den Auftrag bekommen, drei Viertel der Röhren des ersten Stranges zu schmieden. Das Auftragsvolumen von Europipe liegt bei über einer Milliarde Euro.
wal/Reuters