Export Merkel besorgt über hohen Euro
Berlin - "Wir freuen uns darüber, dass Europa eine starke Währung hat. Aber im Export hat das natürlich auch Probleme", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Fernsehsender N24. "Wir arbeiten international daran, dass die Währungsgleichgewichte vernünftig ausbalanciert sind."
Auch über den gestiegenen Ölpreis zeigte sich Merkel besorgt: "Der hohe Erdölpreis ist ein Problem. Da darf man gar nicht drumherum reden", sagte sie.
Deshalb bemühe sich die Bundesregierung weiter um eine Lösung des Nahost-Konflikts. "Je friedlicher diese Region ist, aus der das Öl kommt, umso besser die Chance, dass der Preis auch wieder fällt", fügte die Kanzlerin hinzu.
Außerdem müsse man "alles daran setzen, Klimaschutz und weniger Verbrauch von fossilen Rohstoffen durchzusetzen". Dann sei die Wirtschaft vom Öl "nicht so abhängig".
Auch aus Sicht von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wird der teure Euro langsam aber sicher zur Gefahr für die Exportwirtschaft. In Teilen der europäischen Wirtschaft bestehe "Anlass zur Sorge", sagte Barroso in Singapur am Rande eines Gipfels der Europäischen Union (EU) mit den südostasiatischen Asean-Staaten.
Aus Sicht der deutschen Exporteure ist die Alarmstimmung hingegen nicht gerechtfertigt. "Der deutsche Außenhandel wird auch bei einem Eurokurs von 1,50 Dollar noch in der Lage sein, erfolgreich zu exportieren", sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, der "Berliner Zeitung".
Für Firmen, die ausschließlich auf Exporte in den Dollarraum spezialisiert seien und keine Kurssicherung haben, werde die Lage jedoch deutlich schwieriger. "Hier sinkt die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Wettbewerbern aus den USA und Japan", sagte Börner.
Bei Airbus herrscht wegen des Euro-Rekordhochs bereits Alarmstimmung. Unternehmenschef Thomas Enders kündigte nach Informationen von SPIEGEL ONLINE heute vor Betriebsräten weitere radikale Sparmaßnahmen an. Der Kurs-Verfall des Dollars sei "lebensbedrohlich" für den Konzern, sagte Enders.
Gustav Horn, Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), forderte ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB): "Die EZB muss deutlich machen, dass sie einen weiteren Anstieg des Euro nicht hinnehmen und womöglich sogar intervenieren wird", sagte er dem "Tagesspiegel".
Eurokurs und Ölpreis hangeln sich zurzeit von Rekordhoch zu Rekordhoch: Am Morgen notierte der Euro auf der Handelsplattform EBS vorübergehend 1,4872 Dollar. Derzeit liegt die Währung bei 1,4846 Dollar. So nah ist der Euro noch nie an die Marke von 1,49 Dollar herangekommen.
Die Aufwertung trägt nach Meinung des Bundesfinanzministeriums dazu bei, dass der Export seine Rolle als Motor des Aufschwungs einbüßt. Der Aufwärtstrend der Ausfuhren werde sich zwar fortsetzen, aber auf etwas schwächerem Niveau, schrieb Finanzstaatssekretär Thomas Mirow im jüngsten Monatsbericht des Ministeriums.
Der Ölpreis notiert zurzeit bei 95,03 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die großen Ölexporteure überlegen, ihren Handel nicht mehr in US-Dollar abzuwickeln - ein Rückschlag, der den Dollar weiter belastet.
ssu/ddp/Reuters