Extrakosten beim Arzt Verbände warnen vor Raffgier
Berlin - "Ich kann nur davor warnen, in eine Abkassiermentalität zu verfallen", sagte der Vize-Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Leonhard Hansen, der "Berliner Zeitung". "Ich halte es für fatal, dass ein einzelner Berufsverband wie die Augenärzte vorprescht und für Behandlungen in Zukunft 25 Euro vom Patienten zusätzlich verlangen will". Mit diesem Vorstoß hätten die Augenärzte der eigenen Zunft keinen Gefallen getan.
Weil die Kassen keine Brillengläser mehr bezahlen dürfen, hatten die Augenärzte auch die entsprechenden Vorarbeiten als "individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL) definiert, die privatärztlich abgerechnet werden können. Patienten, die sich eine Brille verordnen lassen wollen, müssen deswegen in Zukunft 25 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Wer entsprechend versichert ist, kann sich den Betrag später von seiner Kasse ersetzen lassen.
Die Einführung der neuen Praxisgebühr ist unterdessen besser verlaufen als erwartet. "Die ersten Tage haben gezeigt, dass nahezu alle Patienten die geforderten zehn Euro anstandslos entrichten", sagte Hansen. Das große Chaos sei ausgeblieben. Hansen zeigte sich optimistisch, dass auch in Zukunft keine Schwierigkeiten entstehen werden. "Es gibt keinen Arzt, der wegen der Praxisgebühr Krieg gegen seine Patienten führen wird", betonte er. "Wer die zehn Euro nicht dabei hat, sollte trotzdem behandelt werden." Hansen stellte aber klar: "Bei neuen Patienten werden wir allerdings restriktiv vorgehen." Wer wiederholt nicht bezahle, werde nur noch in absoluten Notfällen behandelt.
Unterdessen hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Praxisgebühr verteidigt. Die öffentliche Debatte stelle die Dinge viel komplizierter dar, als es in der Realität der Fall sei, sagte Schmidt am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Zuzahlung sei nötig, um das Gesundheitswesen bezahlbar zu halten.
Die Ministerin wies Kritik an der Zuzahlung in der Notaufnahme zurück. Hätte man die Notstationen von der Gebühr ausgenommen, hätten viele Menschen diese verstärkt aufgesucht und nicht den Allgemeinmediziner. Schmidt betonte, dass Patienten im Notfall die zehn Euro nachzahlen können. Sollte jemand jedoch nicht als Notfall zum Arzt gehen, so müsse er das Geld parat haben. Andernfalls könne er von der Praxis abgewiesen werden.
Schmidt verwies mit Hinblick auf die in den vergangenen Tagen laut gewordene öffentliche Kritik, dass der Beschluss der Gebühr ein überparteilicher Kompromiss gewesen sei, der mit großer Mehrheit im Parlament verabschiedet wurde.