Europäische Zentralbank Draghi warnt vor niedriger Inflation
EZB-Präsident Draghi: "Es wäre voreilig, den Sieg auszurufen"
Foto: DANIEL ROLAND/ AFPFrankfurt am Main - EZB-Präsident Mario Draghi rechnet vorerst nicht mit kräftig steigenden Preisen in der Euro-Zone. "Wir dürften eine längere Phase niedriger Inflation vor uns haben", sagte der Italiener am Donnerstag nach der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Danach werde die Teuerungsrate schrittweise in Richtung zwei Prozent steigen.
Die Furcht vor einer Deflation - einem Preisverfall auf breiter Front - hatte zuletzt neue Nahrung erhalten. Die Inflationsrate in der Euro-Zone war im Dezember auf 0,8 Prozent gefallen. Sie liegt damit weit unter der Zielmarke der EZB, die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht.
Draghi kündigte an, die Zentralbank stehe bereit, ungewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen, falls die Inflationsrate zu tief sinke. "Wir haben das Mandat, die Preisstabilität zu sichern, in beide Richtungen", sagte Draghi. "Wir sind bereit, alle erlaubten und verfügbaren Instrumente in Betracht zu ziehen."
Welche Instrumente er meint, ließ Draghi am Donnerstag offen. In der Vergangenheit war zum Beispiel über negative Einlagenzinsen für Banken bei der EZB spekuliert worden. Mit einem solchen Strafzins könnten die Banken gezwungen werden, weniger Geld bei der Notenbank zu parken und es stattdessen der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.
Beim klassischen Leitzins hat die EZB nicht mehr viel Spielraum nach unten. Am Donnerstag bekräftigte Draghi sein Niedrigzins-Versprechen. Demnach werden die Zinsen über eine längere Zeit auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben. Im November hatte die EZB den Leitzins, zu dem sich Banken kurzfristig bei ihr Geld leihen können, von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent gesenkt.
Draghi sagte, an den Finanzmärkten kehre langsam das Vertrauen zurück. Ein Ende der Euro-Krise will er aber noch nicht ausrufen. "Damit wäre ich sehr vorsichtig", sagte der EZB-Chef. "Es gibt eine wirtschaftliche Erholung, aber sie ist schwach und zerbrechlich. Es wäre voreilig, den Sieg auszurufen."
Die Probleme der Euro-Krisenländer lassen sich Draghi zufolge nicht durch eine Schwächung des wirtschaftlich starken Deutschlands lösen. "Alle Euro-Länder profitieren von der Stärke der deutschen Wirtschaft", sagte er. Deutschland steht vor allemwegen seiner enormen Handelsüberschüsse in der Kritik.