EZB Duisenberg befürchtet Inflation
Frankfurt am Main - Die Leitzinsen sollen vorerst unverändert bleiben. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins bleibt bei 3,25 Prozent. Analysten hatten einhellig nicht mit einer Zinserhöhung gerechnet. Die Mehrheit von ihnen rechnet aber damit, dass die Währungshüter im zweiten Halbjahr die Zinsen um 25 Basispunkte heraufsetzen, um die Inflation im Zaum zu halten.
Die könnte in den Augen der Zentralbanker tatsächlich zum Problem werden. "Die Preisentwicklung war ungünstiger als noch vor einigen Monaten erwartet", sagte Duisenberg nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Frankfurt. "Ich bin mir nicht mehr so sicher wie früher, dass die Inflationsrate in diesem Jahr im Durchschnitt unter zwei Prozent liegen wird." Das hänge wesentlich von der Entwicklung des Ölpreises ab. Ein Fall unter die Zwei-Prozent-Marke sei aber noch möglich. Im April erreichte die Teuerung in der Währungsunion ein Niveau von 2,2 Prozent.
Die Konjunktur wird nach Einschätzung Duisenbergs im Verlauf dieses Jahres an Fahrt gewinnen und 2003 wieder zu guten Wachstumsraten führen. Das günstigere internationale Umfeld sollte vor allem den Exportsektor in der Eurozone stützen. Die Stärke des Aufschwungs sei aber nach wie vor ungewiss. Als größten Risikofaktor bezeichnete der EZB-Präsident das Leistungsbilanzdefizit der USA.
Im Übrigen ließ die EZB auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 2,25 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 4,25 Prozent für Übernachtkredite.