EZB hat entschieden Leitzinsen bleiben unverändert
Frankfurt am Main - Der Kurs des Euro notierte am Donnerstag nach der EZB-Zinsentscheidung etwas schwächer und lag unter der Marke von 0,88 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Donnerstag, wie von Marktbeobachtern erwartet, ihren Zins für das Hauptrefinanzierungsgeschäft unverändert bei 4,50 Prozent belassen.
Die europäische Gemeinschaftswährung notierte um 14.38 Uhr bei 0,8793 US-Dollar. Kurz vor dem Zinsentscheid um 13.45 Uhr kostete der Euro noch 0,8823 US-Dollar.
Vor dem Zinsentscheid hatten 31 von 37 befragten Analysten erwartet, dass die EZB den Leitzins unverändert bei 4,50 Prozent lassen werde. Die meisten der befragen Volkswirte erwarten jedoch, dass die EZB ihre Raten noch im August reduzieren werde.
Dazu gehören auch die Analysten von Merrill Lynch. Ihre Begründung: Die EZB verfüge zurzeit nur über Daten von einen Monat mit rückläufigen Preisniveau. Dies sei jedoch auf der Sitzung nach der Sommerpause am 30. August anders; da zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich auf zwei Monate (Juni, Juli) rückläufiger Preise zurückgeblickt werden könne.
Merrill Lynch rechnet mit deutlich rückläufigen Preissteigerungsraten. Dies dürfte der EZB die Entscheidung erleichtern, die Zinsen deutlich zu senken. Bis Ende November sei deshalb eine Rücknahme des Leitzinses um 75 Basispunkten zu erwarten.
Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen die Volkswirte von Helaba Trust. Sie erwarten heute zwar keine Zinssenkung, sehen aber die Chancen auf eine Zinssenkung voraussichtlich am 30. August als nicht schlecht an. Es sprächen zwar auf den ersten Blick eine Reihe von Argumenten gegen eine Zinssenkung zu diesem Termin. So sei beispielsweise der jüngste Anstieg des Geldmengenwachstums von 5,1 Prozent auf 6,1 Prozent im Jahresvergleich höher als erwartet gewesen und die Teuerung im Euro-Raum mit 3,1 Prozent noch deutlich über dem Zielwert der EZB von 2,0 Prozent.
Auf dem zweiten Blick stünden die Chancen auf eine Zinssenkung am 30. August aber nicht schlecht, so die Ökonomen von Helaba Trust weiter. So sei der Anstieg der Geldmenge M3 auf Basiseffekte und verzerrende Einflüsse zurückzuführen gewesen. Zudem sei die Teuerung auf dem Rückzug und die Konjunkturunsicherheiten wüchsen.