EZB-Intervention: Foolish on a Friday? - DER SPIEGEL
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EZB-Intervention Foolish on a Friday?

Notenbanken der Welt gemeinsam den Euro gestützt. Hoffentlich haben sie dabei an die Jugenderfahrung gedacht: Das zweite Mal ist nie so wie das erste.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man kann nichts erreichen, ohne nicht irgendetwas dafür aufzugeben. Nirgendwo gilt dieser Spruch mehr als an den internationalen Devisenmärkten. Denn auf der einen Seite ist eine abwertende Währung für die Industrie und damit auch für die Börse eines jeden Landes ein wahres Geschenk. Auf der anderen Seite gerät damit jedoch die Preisstabilität in Gefahr und es verschlechtern sich die realen Austauschbeziehungen mit den anderen Ländern.

Wir werden in Deutschland die Effekte dieser Veränderungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bald spüren. Doch wie werden sie ausfallen? Es wird ganz an den weiteren Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung des Euros hängen.

Sollte sich die Meinung durchsetzen, dass der Euro mittelfristig wieder an Boden gewinnen wird, so ist mit einem wahren Kursfeuerwerk an den hiesigen Börsen zu rechnen. Denn in diesem günstigen Fall würden gleich zwei Faktoren positiv zusammenwirken: Einerseits steigen die Unternehmensgewinne der Exportunternehmen sprunghaft an - und andererseits wäre dann ein Engagement der Ausländer am heimischen Markt schon alleine auf Grund der möglichen Währungsgewinne lukrativ.

Eine abgewertete Währung mit Stabilisierungstendenz ist also für jede Börse fast ein Idealszenario. Doch wird es dazu kommen?

Die Interventionen vom Freitag hatten einen stützenden Einfluss auf den Euro. Damit hatte keiner gerechnet. Genau das war auch die Ursache ihres Erfolgs: Sie kamen überraschend.

Daraus ergibt sich die Frage, ob sich diese Leistung wiederholen lässt? Hier sind Zweifel angebracht, und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Denn erstens ist es beim zweiten Mal nie so überraschend wie beim ersten Mal - wie jeder von uns sicherlich aus seinen Jugenderlebnissen nachvollziehen kann.

Und zweitens: Es ist nicht davon auszugehen, dass die US-Notenbank bei diesem Spiel weiter mitspielen wird. Aber nicht, weil sie nicht will, sondern schlicht, weil sie nicht kann. Um den Euro nämlich zu drücken, muss die US-Notenbank mit dem Euro eine Fremdwährung ankaufen und dafür ihre eigene Währung in den Geldkreislauf hineingeben. Doch dies werden die Halter von Dollarvermögen sicherlich nur bedingt respektieren und anderenfalls mit dem Heraufschrauben ihrer Inflationserwartungen bestrafen.

Die EZB hat es leichter. Denn der Kauf von Euro, der bei der US-Notenbank von einer Ausweitung der heimischen Geldmenge begleitet ist, führt hierzulande zu einer Reduktion der umlaufenden heimischen Währung. Das bedeutet: Die EZB wird den Prozess der Euro-Stabilisierung weitgehend alleine schultern müssen.

Dabei geht es gar nicht so sehr um Quantitäten, sondern um das Herstellen von Vertrauen, die eigene Währung zu schützen und zu stützen. Der letzte Freitag hat Mut gemacht. Die Schlacht ist jedoch noch nicht gewonnen. Wir können daher nur hoffen, dass dieser Freitag sich deutlich von denen unterscheidet, die Rod Stewart seinerzeit im Kopf und in der Kehle hatte als er einmal eine Platte denjenigen widmete, "who enjoy a little foolish behaviour on a friday night". Wir können wenigstens Teilentwarnung geben: Die EZB hat ja bereits am Vormittag interveniert. Und war wohl auch völlig nüchtern.