Fabrik-Einsturz: KarstadtQuelle richtet Hilfsfonds ein - DER SPIEGEL
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Fabrik-Einsturz KarstadtQuelle richtet Hilfsfonds ein

Über 60 Menschen kamen ums Leben, als im April 2005 in Bangladesch eine Textilfabrik einstürzte. Auch deutsche Unternehmen nutzen das Werk als Billigwerkbank. Jetzt - fast ein Jahr später - hat der KarstadtQuelle-Konzern einen Hilfsfonds aufgelegt.
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Hamburg - Die Vergabe der Mittel habe die Hilfsorganisation friendship übernommen, teilte KarstadtQuelle mit, die Mittel kämen direkt den überlebenden Opfern des Unglücks zugute. friendship betreibt zwei Hospitalschiffe, die „Floating Hospitals“, für die medizinische Versorgung und Gesundheitserziehung der Landbevölkerung in Bangladesch. Außer KarstadtQuelle beteiligen sich noch drei weitere, unbekanntere Unternehmen an dem Projekt. Wie viel Geld in den Fonds fließen soll, darüber macht der Konzern keine Angaben. "Es ist eine sechsstellige Summe", sagt Unternehmenssprecher Howe lediglich.

Vor einem Jahr hatte der Einsturz der Fabrik in Bangladesch die Produktionsmethoden westlicher Unternehmen kurzzeitig heftig in die Kritik gebracht. Die Fabrik stand auf sumpfigem Grund und war von ihrem Besitzer illegal von vier auf neun Etagen aufgestockt worden. Mindestens 62 Menschen starben, rund 70 wurden verletzt - oftmals so schwer, dass sie nun dauerhaft arbeitsunfähig sind.

Ein Schuldeingeständnis sei die Einrichtung des Hilfsfondses jedoch auf keinen Fall, betont KarstadtQuelle-Sprecher Howe nun. "KarstadtQuelle hatte schon lange vor dem Einsturz aufgehört, mit der Fabrik zusammenzuarbeiten. Der Hilfsfonds ist ein rein freiwilliges Engagement."

Der ursprünglich geplante Treuhand-Hilfsfonds, in den eigentlich alle Unternehmen, die ihre Waren aus der zusammengebrochenen Textilfabrik bezogen hatten, einzahlen wollten, ist bis heute nicht zustande gekommen. Das entwicklungspolitische Netzwerk Inkota würde diese Lösung bevorzugen, weil nur so eine langfristige Versorgung der meist dauerhaft arbeitsunfähigen Opfer möglich sei. Immer wieder war in der Vergangenheit der Vorwurf zu hören, die Unternehmen hätten Angst, mit der Einrichtung eines solchen Fonds einen Präzedenzfall zu schaffen.

Es gebe Probleme, alle Beteiligten zu organisieren, heißt es bei KarstadtQuelle zu diesem Problem nur - warum, das wolle man nicht beurteilen. Bisher haben nur die spanische Textilkette Inditex (Zara) und zwei französische Unternehmen dem Konzept des Fonds zugestimmt. Auch KarstadtQuelle sei weiterhin bereit, in einen solchen Treuhand-Fonds einzuzahlen, sagte Howe.

ase