Fairchild Dornier Mitarbeiter zeigen Chefs an
München - Die Staatsanwaltschaft habe daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche von Fairchild Dornier eingeleitet, berichtet die "Financial Times Deutschland". Der Leitende Oberstaatsanwalt von der Staatsanwaltschaft München II, Rüdiger Hödl, habe dies bestätigt. Derzeit sei allerdings noch nicht abzusehen, ob eine strafbare Handlung vorliege, sagte Hödl weiter.
Ein möglicher Ansatzpunkt der Ermittlungen könnte darin zu sehen sein, dass der Rollout des neuen Jets vom Typ 728 mit unverminderter Energie vorangetrieben worden war, obwohl bereits alle Signale auf eine Zahlungsfähigkeit hindeuteten. Das neue Modell war im März der Öffentlichkeit vorgestellt worden, bereits am 2. April folgte der Antrag auf ein Insolvenzverfahren.
Laut einem Gutachten des Insolvenzverwalters Eberhard Braun liefen allerdings bereits parallel zur Vorbereitung der 728-Premiere intensive Verhandlungen mit potenziellen Interessenten wie beispielsweise Boeing. Erst nachdem der amerikanische Flugzeuggigant abgewiunken hatte, stellten die Fairchild-Dornier-Manager den Insolvenz-Antrag.
Unabhängig von der Substanz der Anschuldigungen aber wirft die Anzeige ein Schlaglicht auf die Spannung, unter der zurzeit zwischen Belegschaft und Management herrscht. Bereits gut ein Fünftel der einst 3600 Beschäftigten hat seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens gekündigt. In Branchenkreisen war daraufhin schon die Sorge geäußert worden, dass der Verkauf des Unternehmens als Einheit unmöglich werden könne, wenn zu viele Mitarbeiter mit viel Know-how verloren gingen.
Möglich, dass auch die Verhandlungen mit möglichen Käufern zur schlechten Stimmung beitragen. Wichtigster Interessent ist derzeit der russische Aluminium-Konzern Sibal, der bereits ein Angebot für die Übernahme des gesamten Betriebs vorgelegt hat. Allerdings genießt Sibal-Eigentümer Oleg Deripaska einen eher zweifelhaften Ruf. Konkurrenten werfen dem Multi-Milliardär vor, er wende bei Firmenübernahmen brutalste Methoden an. In New York steht er derzeit wegen Auftragsmord, Bestechung und Geldwäsche im Fadenkreuz der Ermittler.
Neben Deripaska gibt es allerdings noch eine Reihe von Investoren, die zumindest einzelne Unternehmensteile kaufen wollen - etwa das Flugzeug vom Typ 328, die Fertigung von Airbus-Komponenten sowie die Bereiche Wartung und Kundenservice.
Das Traditionsunternehmen war vor allem wegen der kostspieligen Entwicklung des Regionaljets 728/928 in die Krise geraten. Alleine die Lufthansa hatte bereits 60 der 728-Jets bestellt, stornierte den Auftrag jedoch, als Dornier Insolvenz musste.