Fall Holzmann: Anklage gegen früheren WestLB-Chef Neuber - DER SPIEGEL
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Fall Holzmann Anklage gegen früheren WestLB-Chef Neuber

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erhebt Anklage wegen Untreue gegen Friedel Neuber: Der ehemalige WestLB-Chef soll im Zusammenhang mit der Holzmann-Pleite milliardenschwere Scheingeschäfte mit dem insolventen Unternehmen getätigt haben.
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Frankfurt am Main/Düsseldorf - Gemeinsam mit Neuber sitzen neun andere Vorstandsmitglieder der beiden Konzerne auf der Anklagebank. Den früheren Holzmann-Vorstandsmitgliedern wird vorgeworfen, im Jahr 1994 gesetzeswidrig Konzern-Aktien erworben zu haben. Damit hatte man laut Staatsanwaltschaft der drohenden feindlichen Übernahme des Konkurrenten Hochtief zuvor kommen wollen.

Die drei angeklagten WestLB Manager - unter ihnen Neuber - sollen dazu Beihilfe geleistet haben, in dem sie auf Rechnung und Risiko des Bauriesen Aktienpakte von insgesamt gut fünf Prozent des Stammkapitals parkten. In dieser Zeit sei der WestLB durch den Kursverfall der Holzmann-Aktien jedoch ein Verlust in Höhe von 51 Millionen Euro entstanden. Dieser sei dann durch Scheingeschäfte wie nicht erbrachte Beratungsdienstleistungen beglichen worden.

Neubers Verteidiger Christian Richter wies die Vorwürfe zurück. Die überschriebenen Aktienpakete seien zum fraglichen Zeitpunkt bereits Eigentum von Holzmann gewesen. Die Übertragung auf die WestLB sei deshalb kein "Erwerb", so dass der Vorwurf der Beihilfe entfalle. Außerdem, so Richter, lägen die Vorwürfe schon zehn Jahre zurück. "Die WestLB hat schon 2001 einen Vergleich mit Holzmann abgeschlossen. Deswegen ist das Thema für uns erledigt und betrifft die neue WestLB AG nicht." Außerdem seien damals mit der drohenden feindlichen Übernahme durch Hochtief aktienrechtliche Tatbestände gegeben gewesen, die den Erwerb eigener Aktien gerechtfertigt hätten.

Dem zuständigen Frankfurter Staatsanwalt warf Richter Befangenheit vor. Er habe sich nämlich bereits zu einem Zeitpunkt auf eine Erhebung der Anklage festgelegt, als die Staatsanwaltschaft mit der Verteidigung noch über den Umfang der Akteneinsicht diskutiert habe. Entsprechende Stellungnahmen der Verteidigung hätten zu diesem Zeitpunkt noch ausgestanden. "Deshalb haben wir schon im Dezember beim Leitenden Oberstaatsanwalt einen Ersetzungsantrag gestellt. Darüber ist aber bisher noch nicht entschieden worden", sagte Richter.

Der Baukonzern Holzmann hatte seit 1993 Milliardenverluste angehäuft und sich in einen undurchdringlichen Dschungel von Tochterunternehmen sowie riskante Engagements verstrickt. Erst eine spektakulär angekündigte Bürgschaft der Bundesregierung verschaffte dem Konzern vorübergehend eine Atempause. Zwei Jahr später brach das Unternehmen endgültig zusammen und musste Insolvenz .

Holzmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann schloss nicht aus, dass sich aus dem Gerichtsverfahren auch Auswirkungen auf die Insolvenzmasse ergeben. "Wir werden das analysieren und sind gespannt auf die Anklageschrift", sagte der Rechtsanwalt am Mittwoch.

Gegen den Angeklagten Friedel Neuber läuft zur Zeit noch ein weiteres Verfahren - auch wegen des Verdachts der Untreue: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf untersucht eine riskante Kreditvergabe an den britischen Fernsehverleiher Boxclever aus dem Jahr 1999.