Fall Pischetsrieder Piëch gibt erstmals Fehler zu
Hamburg- Erstmals bezeichnete Ferdinand Piëch die Wahl des inzwischen abgelösten Konzernchefs Bernd Pischetsrieder als Fehler. Er habe Pischetsrieder bei seinem Abgang als VW-Chef 2002 selber als seinen Nachfolger vorgeschlagen, sagte Piëch heute vor den Aktionären in Hamburg. "Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben." Mit Mühe habe er diese Entscheidung im November vergangenen Jahres korrigiert und Audi-Lenker Martin Winterkorn hinter das VW-Steuer gesetzt.
Wegen dessen Machtfülle haben die Aktionäre von Volkswagen den Porsche-Enkel Piëch scharf kritisiert. Es gebe "unüberbrückbare Interessenskonflikte", sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung. Er spielte damit auf die Verflechtungen von Piëchs Familienclan mit dem Sportwagenbauer und neuen Großaktionär Porsche an. Der britische Pensionsfonds Hermes forderte Piëchs Rücktritt. Die Wiederwahl des Österreichers, der am Dienstag 70 Jahre alt geworden ist, galt angesichts der Stimmmacht von Porsche und dem Land Niedersachsen dennoch als sicher.
Es sei "katastrophal", wie Konzernchef Bernd Pischetsrieder auf Betreiben von Piëch im vergangenen Jahr abgesägt worden sei, sagte Aktionärsschützer Hocker und erntete dafür den Applaus der anwesenden Kleinaktionäre. Pischetsrieder hatte kurz vor seiner Entlassung noch einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten. Der Aufsichtsrat sei "damals überzeugt" gewesen, dass Pischetsrieder "weiterhin das Unternehmen leiten sollte", sagte Piëch. "Davon waren wir später nicht mehr überzeugt." Der einstige Konzernchef ist weiterhin bei Volkswagen zu seinem alten Gehalt beschäftigt.
Die Erfolge des größten europäischen Autobauers und der rasante Kursanstieg des vergangenen Jahres besänftigten die Anteilseigner. Die Kursverdopplung sei jedoch zum Großteil "hausgemacht" durch den Einstieg von Porsche und daraus folgende Übernahmephantasien, warnte Hans-Christoph Hirt vom größten britischen Pensionsfonds Hermes.
Die VW-Aktionäre hatten im zurückliegenden Jahr viel zu verdauen. Nicht nur, dass der Sportwagen-Bauer Porsche zum größten Aktionär des Unternehmens aufgestiegen ist und inzwischen sogar ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt hat. Zugleich ist auch absehbar, dass das Land Niedersachsen seine gesetzlich verankerte Sonderstellung bei VW verlieren wird.
Porsche hat heute den nächsten Schritt zu seinem milliardenschweren Pflichtangebot an die VW-Aktionäre unternommen. Der Stuttgarter VW-Großaktionär reichte die notwendigen Unterlagen zur Prüfung bei der Finanzaufsicht BaFin ein, sagte ein Porsche-Sprecher. Zu der genauen Höhe des Angebots wollte sich Porsche wegen der bevorstehenden Prüfung nicht äußern. Die BaFin hat jetzt zehn Tage Zeit, das Angebot zu prüfen. Nachdem Porsche mehr als 30 Prozent der VW-Aktien erworben hatte, ist der Sportwagenbauer verpflichtet, den VW-Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen.
kaz/AFP/AP/dpa