Fallende Preise US-Inflation sinkt auf historisches Tief
Washington - Auf den ersten Blick sieht es nach Deflation aus, doch das täuscht: Zwar sind die Verbraucherpreise in den USA im Juni auf Jahressicht so stark gefallen wie seit Anfang 1950 nicht mehr. Wie das US-Arbeitsministerium am Mittwoch mitteilte, lagen die Lebenshaltungskosten um 1,4 Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats. Grund für diese Entwicklung waren die Energiepreise, die 25,5 Prozent niedriger lagen als im Juni 2008. Im Mai hatte sich die Jahresteuerungsrate auf minus 1,3 Prozent belaufen.
Kunde im US-Supermarkt Wal-Mart: Energiepreise lösen Schwankungen aus
Foto: Tony Dejak/ APTatsächlich aber zeigt sich: Im Kern - also ohne Energie und Nahrungsmittel - sind die Verbraucherpreise um 1,7 Prozent gestiegen - und damit deutlicher als erwartet. Eine klassische Deflation in Form eines massiven Preisverfalls über eine breite Produktpalette hinweg trat demnach nicht auf.
Industrieproduktion sinkt weniger als erwartet
Angesichts der jüngsten Preisentwicklung und der schweren Wirtschaftskrise sehen Experten in den USA derzeit keine Inflationsgefahr. Wegen der hohen Staatsverschuldung und des wachsenden Haushaltsdefizits gebe es aber langfristige Risiken.
Auch andere Wirtschaftsdaten fielen ein bisschen besser aus als erwartet: So ist die Industrieproduktion im Juni nicht so stark gefallen wie befürchtet. Die Produktion sei zum Vormonat um 0,4 Prozent zurückgegangen, teilte die US-Notenbank mit. Volkswirte hatten mit einem Minus von 0,6 Prozent gerechnet. Im Vormonat war die Produktion um revidierte 1,2 Prozent gesunken. Im Jahresvergleich ergab sich allerdings im Juni ein Rückgang um 13,6 Prozent.
Die Kapazitätsauslastung der Industrie lag im Juni mit 68,0 Prozent auf einem neuen Rekordtief. Volkswirte hatten mit einer Auslastung von 67,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte die Auslastung der Industrie bei revidiert 68,2 Prozent gelegen.