Fehde mit Ackermann: Deutschbanker Cartellieri schmeißt hin - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fehde mit Ackermann Deutschbanker Cartellieri schmeißt hin

Ulrich Cartellieri, die graue Eminenz im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, will sein Amt einem Magazinbericht zufolge aufgeben. Damit ziehe er die Konsequenz aus dem Richtungsstreit mit Bankchef Josef Ackermann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Spätestens bei der nächsten Sitzung im Oktober werde Cartellieri sein Mandat niederlegen, berichtet das "manager magazin" in seiner neuesten Ausgabe. Der Rückzug des langjährigen früheren Vorstands, der seinen Entschluss bereits anderen Vertretern des Aufsichtsrates mitgeteilt habe, sei vorläufiger Höhepunkt eines fundamentalen Richtungsstreits in der Deutschen Bank  .

Cartellieri, der bisher als einflussreichster Aufsichtsrat galt und in allen wichtigen Ausschüssen des Kontrollgremiums sitzt, wolle den Kurs von Vorstandssprecher Josef Ackermann nicht länger mittragen. Dieser habe sich bisher der massiven Stärkung der Bank auf dem deutschen Heimatmarkt verweigert. Damit gefährde Ackermann nach Ansicht Cartellieris und etlicher anderer Anteilseignervertreter auf Dauer die Eigenständigkeit des Geldhauses.

Streit um die Postbank

Der Streit zwischen Cartellieri und Ackermann war im Mai und Juni besonders deutlich geworden. Cartellieri hatte sich damals für eine Übernahme der Postbank   stark gemacht, um das Privatkundengeschäft im Inland zu stärken. In Medienberichten war gar von dem Versuch die Rede, Ackermann zu entlassen. Cartellieri war für diesen Fall als ein möglicher Interimschef der Bank gehandelt worden.

Nach ihrer Klausurtagung in Nizza hatten die Topkräfte der Deutschen Bank gestern ihrerseits beschlossen, das Inlandsgeschäft zu stärken. "In Deutschland haben wir eine Struktur geschaffen, die durch die enge Koordination aller Bereiche einen verbesserten Auftritt in unserem wichtigen Heimatmarkt sicherstellt", lobte Ackermann das Ergebnis.

Als neuer Gesamverantwortlicher für das Inlandsgeschäft wurde Jürgen Fitschen benannt. Er soll das Image des Branchenprimus aufpolieren und als zentraler Ansprechpartner vor allem für Großkunden fungieren. Diese hatten vielfach geklagt, die Deutsche Bank vernachlässige ihre Belange.