TELEKOM »Fehler im System«
SPIEGEL: Die Deutsche Telekom versichert, Fehler bei ihren monatlich rund 40 Millionen Telefonrechnungen seien Einzelfälle, 99,9 Prozent der Rechnungen seien richtig. Ist diese Aussage nach Ihren Erfahrungen richtig?
STÜLP: Nein. Mit unserer Software zur Datenauswertung, die wir in Zusammenarbeit mit dem Land Hessen entwickelt haben, prüfen wir seit gut zwei Jahren die Telefonrechnungen verschiedener Großkunden. Auf Grund dieser Erfahrungen mit Millionen von Einzelverbindungsnachweisen muss ich davon ausgehen, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt.
SPIEGEL: Was sind die häufigsten Fehler?
STÜLP: Es beginnt bei Gesprächen, die erst Monate später berechnet werden. Dann gibt es exorbitant lange Gespräche, die angeblich bis zu 200 Stunden gedauert haben sollen. Ein weiterer Punkt sind extrem kurze Gespräche mit hohen Rechnungsbeträgen und absolut identische Gespräche, die mehrfach abgerechnet werden.
SPIEGEL: Wie groß ist nach Ihren Erfahrungen die gesamte Fehlerquote?
STÜLP: Wir haben in allen unseren Prüfungen noch nie einen Einzelverbindungsnachweis bekommen, in dem die geforderte Rechnungssumme nicht um mindestens 3 Prozent zu hoch angesetzt war. Im Extremfall waren die Gesprächskosten um bis zu 20 Prozent überhöht.
SPIEGEL: Lassen sich diese Ergebnisse aus Großunternehmen auch auf Privatanschlüsse übertragen?
STÜLP: In unserem eigenen kleinen Unternehmen treten hin und wieder die gleichen Merkwürdigkeiten auf, wie wir sie bei unseren Großkunden, darunter verschiedene Bundesländer und die Spedition Danzas, gefunden haben. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Fehler mit ziemlicher Sicherheit auch in der Breite vorkommen. Da die meisten Kunden aber keinen Einzelverbindungsnachweis haben, bemerken sie das erst bei einem krassen Ausreißer - und der ist selten.
SPIEGEL: Treten solche Fehler auch bei den Telekom-Konkurrenten auf?
STÜLP: In dieser Häufigkeit sind sie uns dort nicht bekannt geworden. In Tausenden von Gesprächsdaten haben wir zum Beispiel kein einziges Null-Sekunden-Gespräch und nur eine Dublette gefunden.
SPIEGEL: Welchen Schluss ziehen Sie daraus?
STÜLP: Da die Konkurrenten durchweg neueste Abrechnungs-Software einsetzen und die Telekom immer noch mit alter, wenn auch x-fach modifizierter Software arbeitet, muss der Fehler im System liegen.