Fehlerhafte Eingabe - DER SPIEGEL
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Mobilfunk Fehlerhafte Eingabe

Harte Kritik an der Telefonfirma MobilCom: Kunden beschweren sich über falsche Rechnungen, Händler feilschen um Provisionen.
• aus DER SPIEGEL 30/1994
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Yildiray Dede staunte nicht schlecht über die Post, die sie im Mai in ihrem Briefkasten fand. Mit einem »Hallo aus Schleswig« forderte die Telefonfirma MobilCom 547,40 Mark. Wenige Tage später war das Geld bereits vom Konto der Münchner Geschäftsfrau abgebucht.

Die überraschende Rechnung war die Folge eines kurzen Kontakts mit dem Schleswiger Unternehmen. Dort hatte Frau Dede am 14. Februar eine Telefonkarte für ein Funktelefon beantragt. Doch MobilCom lehnte ab. Dede: »Es hieß, wir seien nicht kreditwürdig.«

Die Abgewiesene gab sich damit zufrieden, bei einer anderen Telefonfirma wurde sie als Kundin akzeptiert. Damit schien der Fall erledigt.

Um so erstaunter war sie über die Rechnung, die sie im Mai erhielt. Immerhin verlangte MobilCom die Grundgebühr von monatlich 68 Mark für die Zeit von Dezember 1993 bis Mai 1994 - und das, obwohl Frau Dede erst im Februar eine Nummer beantragt hatte. »Fehlerhafte Eingabe«, entschuldigte die Firma später die Panne.

So einfach läßt sich die Sache nicht aus der Welt schaffen. Etliche Kunden der privaten Telefonfirma aus Schleswig-Holstein klagen über falsche Abrechnungen, unberechtigte Abbuchungen, lange Lieferfristen und ganz einfach miesen Service. »80 Prozent meiner MobilCom-Kunden«, sagt der Wiesbadener Telefonhändler Martin Scheffler, »sind enttäuscht.«

Sauer sind auch viele Händler und Vertriebspartner der Schleswiger Firma. Sie warten oft monatelang auf ihre Provision (etwa 500 Mark pro Kunde). Einige wollen nun gegen MobilCom gerichtlich vorgehen. »Wir prüfen«, bestätigt Jürgen Bergmann von der Recklinghäuser Telecompany, »ob wir Konkursantrag gegen MobilCom stellen.«

Das Schleswiger Unternehmen gehört zu den sogenannten Service-Providern. Diese Telefonfirmen ohne eigenes Netz vermitteln Anschlüsse für die Mobilfunknetze von D1 und D2. Sie übernehmen bei den Netzbetreibern Mannesmann und Telekom Gesprächszeit zu Sonderkonditionen, die sie mit entsprechendem Aufschlag verkaufen.

Mit mehr als 80 000 Kunden in beiden Netzen und einem Umsatz von 123 Millionen Mark (1993) zählt MobilCom zur Spitzengruppe unter den privaten Telefonanbietern in Deutschland. »Als einziges Unternehmen der Branche«, so Firmengründer Gerhard Schmid, schreibe MobilCom schwarze Zahlen. Mit Unterstützung der schleswig-holsteinischen Landesbank hatte sich der ehemalige Geschäftsführer der Autovermietung Sixt 1991 in das brodelnde Geschäft mit dem Mobilfunk gestürzt. Seinen Erfolg verdankt Schmid, 42, vor allem der Masche, nicht nur den Anschluß, sondern auch gleich das passende Gerät mit zu vermieten.

Mit Discount-Angeboten, bei denen die Gerätemiete in der normalen Grundgebühr von 78 Mark enthalten ist, lockte Schmid Zigtausende von privaten Telefonkunden zur MobilCom. Durch Leasingverträge sind sie drei bis fünf Jahre an die Firma gebunden. Doch viele Kunden, weiß der ehemalige Mobil-Com-Manager Thorsten Schranz, »haben schon nach kurzer Zeit die Nase voll«.

Der Ärger beginnt oft gleich nach Vertragsabschluß. Auf das Telefon, das angeblich innerhalb weniger Tage geliefert werden soll, warten die Kunden bisweilen viele Wochen.

Verlieren sie die Geduld und wollen ihren Vertrag kündigen, bekommen sie sofort eine happige Rechnung. Sie sollen die gesamten Leasingraten auf einen Schlag bezahlen. Je nach Gerät kann sich die MobilCom-Forderung dann auf bis zu 11 000 Mark belaufen.

Da alle Kunden eine Abbuchungsgenehmigung für ihr Girokonto unterschreiben müssen, kann Schmid zunächst einmal nach Belieben walten. So kommt es immer wieder vor, daß Mobil-Com Rechnungen doppelt abbucht, zu hohe Gebühren eintreibt oder Zusatzdienste wie den »Gold Service« oder eine »Mailbox« berechnet, obwohl die Kunden solche Leistungen gar nicht bestellt haben. Schmid bestreitet das: »Unsere Reklamationsquote liegt im Branchendurchschnitt.«

Schuld an dem ganzen Ärger ist nach Ansicht von Hanno Kirner, Chef der Handelsfirma Phoneline, die »absolut chaotische Buchhaltung« in Schleswig. »In jeder Würstchenbude ist heute mehr Ordnung«, sagt der Berliner, der mehrmals in Schleswig war, um sich ihm zustehende Provisionen abzuholen. »Teenies mit Geha-Füller«, so Kirner, hätten dann »mit krakeliger Schrift die Provisionen ausgerechnet«.

Mit Unzulänglichkeiten und Pannen allein ist der schlechte Service bei MobilCom nach Meinung von Jürgen Pfitzner nicht zu erklären. Der Marketingchef der bayerischen Vertriebsfirma Innova 2000, die früher eng mit Schmid zusammengearbeitet hat, vermutet, »daß hier System dahintersteckt«, denn immer fielen die falschen Rechnungen zuungunsten des Kunden aus. Pfitzner: »Eine solche Häufigkeit ist mit Schlamperei kaum noch zu erklären.«

Für den umstrittenen MobilCom-Chef sind das »völlig haltlose Behauptungen«. Die Provisionen für Innova und einige andere Händler habe er »eingefroren, weil die mit unsauberen Methoden arbeiten«. Gegen deren »Amoklauf« habe er bereits »entsprechende gerichtliche Schritte veranlaßt«, kontert Schmid.

Das wird ein harter Schlagabtausch. Auch die bayerischen Innova-Manager wollen vor Gericht ziehen und ausstehende Provisionen sowie Schadensersatz einklagen. »Alles in allem«, schätzt Innova-Prokurist Vjeran Bronic, »dürfte sich unsere Forderung auf zwei bis drei Millionen Mark addieren.«

Forderungen in ähnlicher Größenordnung wollen auch drei ehemalige Partner von Schmid geltend machen. Sie hatten im Frühjahr 1993 zusammen mit Schmid die Vertriebsfirma MFD gegründet und fühlen sich nun von ihm »hinterhältig ausgebootet«.

Härter als der Streit um Schadensersatz könnte den Schleswiger Mittelständler ein anderer Schachzug der früheren MFD-Partner treffen. In dieser Woche will ihr Kölner Anwalt Heinz Adolfs bei der Staatsanwaltschaft in Flensburg eine Strafanzeige gegen Schmid einreichen - wegen Betrugs und Untreue.

Die Konkurrenz verfolgt nicht ohne Wohlgefallen den wachsenden Druck gegen den Außenseiter. Wettbewerb solle den Kunden dienen, sagt Joachim Dreyer vom Branchenprimus Debitel. Firmen, die dagegen verstießen, so Dreyer, »haben auf dem Markt nichts zu suchen«. Y

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