BANKEN Fehlte noch
Karl Otto Pöhl sprach den Gästen des Bankentages in Bonn offenbar aus der Seele. »Wir sollten alles daransetzen«, sagte der Bundesbankpräsident, »die Attraktivität des Bankenplatzes Bundesrepublik zu stärken.«
Daß dem Präsidenten selbst für solche Plattheiten brausender Applaus zuteil wurde, hat wohl mit den Berufssorgen der Bankiers zu tun. Begreiflich auch, daß einige der Gäste besonders eifrig klatschten.
Seit einigen Monaten nämlich sind Schweizer Banken dabei, die Anziehungskraft deutscher Bankplätze auf ihre Art zu beweisen und zu stärken: Sie suchen nach Instituten in Frankfurt, München oder Düsseldorf, an denen sie sich beteiligen können.
Auch auf dem Bankentag Ende März waren die eidgenössischen Aufkäufer emsig. Diskret, aber zielstrebig hörten sie sich bei ihren deutschen Kollegen um, immer interessiert an den Daten von Banken, die vielleicht für ein paar hundert Millionen Mark zu haben wären.
So steht etwa die ehemals größte deutsche Privatbank, das Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt (Bilanzsumme 1983: 5,5 Milliarden Mark), auf der Kaufliste der Schweizer. Trinkaus & Burkhardt gehört bislang zu 90 Prozent der britischen Midland Bank.
Deutsche Privatbankiers runzelten die Stirn, als sie von den Annäherungsversuchen der Schweizer erfuhren. »Fangen die jetzt an«, so fragte sich einer besorgt, »die Bundesrepublik vom Süden her aufzurollen?«
Mag sein. Der Anfang ist bereits gemacht.
Mitte Januar hatte die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) die Fürther Grundig Bank für 140 Millionen Mark aufgekauft - »eine recht einmalige Gelegenheit«, meinte SKA-Generaldirektor Robert Jeker. Er hatte sich schnell entschieden und war somit italienischen und amerikanischen Konkurrenten zuvorgekommen. »In Prioritätsländern«, so Jeker, »haben wir sehr gerne einen Stützpunkt, und Deutschland war das Land, das uns noch fehlte.«
Nun wollen Jeker und seine Kollegen in Zürich auch nach Frankfurt. Bis Anfang Mai will die SKA sich für gut 130 Millionen Mark bei der Effectenbank Warburg einkaufen. Ihre beiden Neuerwerbungen wollen die Schweizer dann mit ihrer Tochterfirma Credit Suisse First Boston, dem Marktführer im Handel mit Euroanleihen, verzahnen.
Die Zürcher Bankiers möchten ihren Handel mit Euromarkt-Papieren, der bislang auf London und Genf konzentriert ist, künftig mehr in Frankfurt betreiben.
Mit Vergnügen hörten die SKA-Vertreter auf dem Bankentag denn auch, daß Notenbankchef Pöhl ankündigte, Eurogeldgeschäfte sollten wieder von Luxemburg und London nach Deutschland geholt werden.
Auch die Nummern eins und zwei des Schweizer Geldgewerbes, die Züricher Bankgesellschaft und der Baseler Bankverein, suchen Stützpunkte in Frankfurt und Düsseldorf. Sie wollen damit das starke Engagement bundesdeutscher Banken in der Schweiz beantworten.
Ob dies nun den deutschen Banken recht ist oder nicht - sie machen gute Miene zum Ansturm der Schweizer. »Wir können«, erkannte Friedrich Wilhelm Christians von der Deutschen Bank, »uns nicht dagegen wehren, denn wir sind fast alle in die Schweiz gegangen.«
An den Bankenplätzen Zürich, Genf und Basel arbeiten inzwischen 13 bundesdeutsche Institute. Selbst die gewerkschaftseigene Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) ist mit einer Tochter in der Schweiz vertreten.
Als letzte der drei Großen eröffnete vor vier Monaten die Commerzbank eine Zürcher Filiale. Die Deutsche Bank startete in Genf, dem Lieblingsplatz der Petromilliardäre aus Nahost.
Die Dresdner stieg ganz diskret über ihre Luxemburger Tochter ins Schweizer Geschäft ein. Banksprecher Wolfgang Röller ist mit seinen Ablegern in Genf und Zürich »schon sehr zufrieden«.
Doch nicht nur die deutschen Mitbewerber machen den Schweizern das Verdienen schwerer. Ein zunehmend größerer Teil der Fluchtgelder, die Franzosen, Italiener und Südamerikaner bislang vor allem in die Schweiz schafften, strömt inzwischen auf Nummernkonten in Luxemburg und Österreich. Viele Kunden Schweizer Bankhäuser schichteten ihr Geld auch nach New York um, nachdem in den USA die Quellensteuer auf Gewinne gestrichen wurde.
Überdies sind viele Schweizer Bankiers ohnehin seit Jahren überzeugt, daß sich Vermögensverwaltung in der Bundesrepublik ebensogut organisieren läßt wie in der Schweiz.
So rechnen die Schweizer damit, in Deutschland schnell auf ihre Kosten zu kommen. Zum einen wollen sie mit eigenen Börsensitzen in Düsseldorf und Frankfurt die Wertpapier-Kommissionen, die sie bislang mit ihren deutschen Korrespondenzbanken teilen mußten, künftig allein verdienen. Zum anderen wollen sie von den guten Zinsmargen bei Privat- und Firmenkunden profitieren; die Differenz zwischen hereingenommenen Geldern und ausgeliehenen ist beträchtlich höher als in der Schweiz.
Wie gut sich im bundesdeutschen Bankgewerbe arbeiten läßt, bewies bereits die expansive Migros-Bank, die als erstes Schweizer Institut nach Düsseldorf kam. »Wir konnten Bilanzsumme und Betriebsgewinn«, so Deutschland-Chef Siegfried Benz, »in den letzten drei Jahren glatt verdoppeln.«
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SCHWEIZER GRÖSSEN Die zehn größten Schweizer Banken; Bilanzsummen 1983 in Millionen Schweizer Franken 1 Schweizerische Bankgesellschaft 2 Schweizerischer Bankverein 3 Schweizerische Kreditanstalt 4 Zürcher Kantonalbank 5 Schweizerische Volksbank 6 Bank Leu AG 7 Kantonalbank von Bern 8 Luzerner Kantonalbank 9 Banque Cantonale Vaudoise 10 Banca della Svizzera Italiana
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