Fernost China gehen die Arbeiter aus
Peking - Es liegt an der chinesischen Ein-Kind-Politik: Sie lässt die schier unerschöpfliche Zahl chinesischer Arbeiter langsam zur Neige gehen. In den Neunziger Jahren waren noch rund 200 Millionen Menschen vom Land in die Städte gezogen, um dort Arbeit zu finden. Nun sind es noch knapp 50 Millionen, stellte ein führendes Forschungsinstitut in China fest.
Mit schwerwiegenden Folgen für das Land: chinesische Firmen müssen mit rasant steigenden Lohnkosten rechnen. Die billigen Löhne waren die Grundlage für das chinesische Wirtschaftswunder, der ständige Nachschub an Wanderarbeitern, die vom Land in die Stadt zogen, garantierte bislang die niedrigen Löhne. "Die Tage des riesigen Überangebots an Arbeitskräften sind vorbei", sagte Cai Fang, Experte der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Bereits in den vergangenen Jahren habe die schrumpfende Zahl der Wanderarbeiter für rasante Lohnsteigerungen gesorgt.
Im Jahr 2004 seien die Löhne um knapp drei Prozent gestiegen, 2005 um fast sieben Prozent, 2006 um fast 12 Prozent und 2007 bereits um 20 Prozent, sagt der Wissenschaftler. China ist demnach längst nicht mehr der ultimative Billigstandort. Viele deutsche Investoren, die die niedrigen Kosten nach Fernost gelockt haben, sind mittlerweile nach Indien, Bangladesch oder Vietnam weitergezogen
cvk/Reuters