Fettleibige: Der große Reibach der XXL-Industrie - DER SPIEGEL
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Fettleibige Der große Reibach der XXL-Industrie

Mit Salaten und Öko-Burgern wenden sich McDonalds und Co zunehmend den ernährungsbewussten Kunden zu. Doch das bedeutet nicht, dass das Geschäft mit den Dicken weniger lukrativ wäre: Zahlreiche US-Firmen verdienen gut an den 300 Millionen übergewichtigen Erwachsenen weltweit. Jetzt gibt es sogar ein Ferienparadies nur für Dicke.
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New York - Das "Freedom Paradise" ist ein 112-Zimmer-Hotel südlich der Partymetropole Cancun in Mexiko, und paradiesisch ist es wirklich - vor allem für Menschen mit Übergewicht. Laut Eigenwerbung ist es der erste und bislang einzige "grössenfreundliche Ferienclub" der Welt, der dicken Urlaubern "ohne diskriminierende Behandlungen" mit Hilfe seiner speziellen Angebote eine traumhafte Ferienzeit bereiten will: Pools mit Haltegriffen, begehbare Duschen anstatt Badewannen und schwer belastbare Hängematten. Es wird wohl nicht der einzige "grössenfreundliche" Club bleiben - dafür ist das Geschäft mit den Dicken viel zu lukrativ.

In verschiedenen Studien haben Ärzte festgestellt, dass nahezu jeder dritte Amerikaner an Fettleibigkeit leidet, weltweit waren es im Jahr 2000 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 300 Millionen. Der Industrie sind diese Zahlen nicht entgangen. "Das ist kein Nischenmarkt mehr", sagt die 147 Kilo schwere US-Amerikanerin Mindy Sommers. "Wenn die Industrie unsere Wünsche nicht bedienen würde, wäre sie schön blöd." Es gibt viele Dicke. Dicke mit Geld.

In den USA hat sich ein mittlerweile ein ganzer Industriezweig auf die Wünsche der schweren Kunden spezialisiert. Jedes erdenkliche Produkt verkaufen sie in "plus size" - in Übergröße: Größere Handtücher, größere Betten, größere Kleidung, größeren Schmuck.

Amplestuff.com etwa verkauft online nahezu alles, was auf dem Markt für Fettsüchtige zu bekommen ist. Sitzgurtstrecker, Riesen-Regenschirme, gigantische Kleiderbügel bis hin zu XXL-Waagen, die das Gewicht bis zu umgerechnet 500 Kilo anzeigen. Kelly Bliss, die sich selbst als Fitnessqueen der Dicken beschreibt, verkauft Videos, in denen eine 250 Kilo schwere Frau im Sitzen Fitnessübungen zeigt. Bliss hat auch die Webpage Plussizeyellowpages.com erstellt, auf der sie unter anderem überdimensionale Kajaks anbietet.

Das Geschäft mit den Dicken sei eine Multimilliarden-Dollar-Industrie, sagt Gary Epstein, CEO von Euro RSCG Tatham, einer globalen Unternehmensberatung, die eine Studie über Fettleibigkeit erstellt hat. Danach bringt allein der Verkauf von XXL-Kleidung einen jährlichen Umsatz von 17 Milliarden Dollar.

Das Portal Fatcities.com bietet seit kurzem für knapp tausend Dollar ein Schwerlast-Sofa mit acht Füßen und großzügiger Liegefläche an - sie reagierte damit auf den Hilferuf einer verzweifelten Mutter. Deren 175-Kilo-Sohn hatte es sich auf der elterlichen Couch gemütlich gemacht - das Erbstück brach unter der Last zusammen.