Fiat-Autosparte GM prüft rasche Übernahme
Mailand - Es ist Gianni Agnelli, der in Italien vielen als letzter Kämpfer gegen einen Verkauf der Autosparte gilt. Die Ehrenpräsident des Konzerns aber ist 81 Jahre alt und hat sich gerade einer Prostata-Operation in den USA unterzogen. In offiziellen Mitteillungen der Familie hieß es danach, Agnelli gehe es "gut, aber nicht sehr gut".
Stirbt Agnelli, so die zynische Spekulation, wird das Fiat-Management den Verkauf der Autosparte schneller vorantreiben. Über den Verkauf der Töchter für Metallerzeugnisse und Industrieanlagen wird nach Medienberichten bereits verhandelt. Kein Wunder: Das italienische Industrie-Konglomerat Fiat ist mit 6,6 Milliarden Euro verschuldet und muss dringend saniert werden, die Banken machen Druck.
Macht GM kurzen Prozess?
Die Leiden der Italiener könnten dem weltgrößten Autokonzern General Motors helfen, noch ein bisschen größer zu werden. Seit zwei Jahren halten die Amerikaner 20 Prozent an der Fiat-Autosparte. Frühestens 2004, so sah es bisher aus, könnten sie auch den Rest von Fiat Auto übernehmen - oder übernehmen müssen. Denn GM und Fiat haben sich auf eine Put Option geeinigt, wonach GM dann die restlichen 80 Prozent der Anteile erwerben soll, wenn sich die wirtschaftliche Lage der Italiener bis dahin weiter verschlechtert hat.
Weil das für GM teuer werden könnte, gibt es in der GM-Europazentrale offenbar Planspiele, sich die gegenwärtige Fiat-Krise zunutze zu machen. Laut "Handelsblatt", das sich auf ungenannte Unternehmenskreise beruft, und der italienischen Tageszeitung "Il Corriere della Sera", prüft GM, die Autosparte schon in diesem Jahr zu übernehmen. Fiat weist Spekulationen, der Auto-Bereich stünde zum Verkauf, bisher zurück.
Große Verluste mit kleinen Autos
Da der Fiat-Aktienkurs auf zuletzt 12,9 Euro abgesackt ist, erscheint der Zeitpunkt manchem GM-Manager offenbar günstig. Für die deutsche GM-Tochter Opel könnte das bedeuten, dass noch mehr Stellen abgebaut werden, um die Effizienz des Auto-Molochs GM zu erhöhen. Bisher kooperieren Opel und Fiat beim Einkauf von Teilen und bei der Herstellung von Motoren und Getrieben. Schmerzlos würde die Sanierung von Fiat Auto jedenfall nicht: Allein im ersten Quartal hat der Konzernteil fast 430 Millionen Euro Verluste eingefahren.
Unter anderem auch deshalb hatte es Anfang der Woche es zunächst so ausgesehen, als würde die Bonität des Fiat-Konzerns von Rating-Agenturen auf das gefürchtete Niveau von "Ramschanleihen" gesenkt. Nach offiziell unbestätigten Medienberichten hat sich der Mischkonzern aber mit seinen Gläubigerbanken geeinigt und die Herabstufung damit vorerst verhindert.
Banker fahren Ferrari
Die IntesaBci, Banca Nazionale del Lavoro, Banca di Roma und die Sanpaolo IMI unterstützen den Berichten zufolge das Umschuldungsprogramm des Unternehmens. Im Gegenzug sollen sie offenbar einen Anteil an der Sportwagensparte Ferrari erhalten, die noch in diesem Jahr an die Börse gebracht werden soll.
Die "Financial Times" hatte zuvor berichtet, dass einige der Banken den Fiat dazu aufgefordert haben sollen, neben den Sparten für Metall- und Industrieanlagen auch den Luftfahrtsbereich FiatAvio und andere Vermögenswerte zu verkaufen. Damit kämen vermutlich fünf Milliarden Euro in die Kasse. Die Schrumpfkur des Fiat-Konzerns hat also offenbar gerade erst begonnen und wird weitergehen müssen - egal, was der kranke Patriarch Agnelli davon halten mag.