Fiat-Krise: Der Boss tritt ab - DER SPIEGEL
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Fiat-Krise Der Boss tritt ab

Zu den Gerüchten über einen schnellen Verkauf der Autosparte kommt beim Fiat-Konzern auch noch ein Rücktritt: Vorstandschef Paolo Cantarella hat sein Amt aufgegeben und damit viele überrascht.
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Turin - Cantarella habe seine Kündigung, die sofortige Wirkung haben soll, dem Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli mitgeteilt, berichtete das italienische Fernsehen am Montagabend. Die Aufgabe des CEOs soll nun übergangsweise der Verwaltungsratspräsident des Turiner Unternehmens, Paolo Fresco, übernehmen. Agnelli und Fresco hätten ihr "tiefes Bedauern" über die Entscheidung Cantarellas ausgedrückt. Agnelli lobte, Cantarella habe die Fiat-Autosparte in den neunziger Jahren saniert, eine ebenfalls schwierige Zeit für den Konzern. Der 57-jährige Cantarella war seit 1996 Chef des Konzerns und Verwaltungsratsvorsitzender der Autosparte. Er blickt auf eine 25-jährige Karriere bei Fiat zurück.

Cantarella sagte, er habe in dieser schwierigen Zeit für das hoch verschuldete Unternehmen ein Zeichen setzen und einen Neuanfang ermöglichen wollen. "Nach langem Nachdenken bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es in dieser komplizierten Zeit für die Gruppe und vor allem für Fiat Auto eine scharfe Zäsur geben muss", hieß es in einer Erklärung Cantarellas. Italienische Gewerkschaftsführer bezeichneten die Entscheidung als "schwerwiegenden und unerwarteten Schritt". Die mächtige italienische Gewerkschaft CGIL wertete den Rücktritt als "weiteres Zeichen für die Instabilität der Gruppe".

Die Schuldenlast des Unternehmens beträgt derzeit rund 6,6 Milliarden Euro. Drei italienische Banken haben erst kürzlich mitgeteilt, dass sie Fiat mit einem Kredit über rund drei Milliarden Euro aushelfen werden. Bis zum Jahresende will Fiat dafür seine Schulden halbieren, die hoch defizitäre Autosparte soll bis 2004 wieder profitabel werden. Bereits in der vergangenen Woche hatten italienische Medien spekuliert, Cantarella könnte im Rahmen von Umstrukturierungen zur Rettung des Unternehmens entlassen werden.

Branchenexperten bezeichneten Cantarellas Rücktritt denn auch als nicht sonderlich überraschend. "Er unterstreicht die Krise der Autosparte", sagte Xavier Gunner, Auto-Analyst bei UBS Warburg in London. Aber Cantarellas Ausscheiden bedeute nicht notwendigerweise, dass eine Lösung in Sicht sei.

Die Probleme nähren Spekulationen, dass die Italiener ihre Option ausüben könnten, ihre 80-Prozent-Mehrheit an der verlustreichen Fiat Auto an General Motors zu verkaufen. Der US-Autohersteller hatte die übrigen 20 Prozent bereits vor zwei Jahren erworben. Die Arbeitnehmervertreter im Eurobetriebsrat von General Motors und Fiat haben sich ebenfalls am Montag nach einem Treffen in Brüssel gegen eine vorschnelle Übernahme von Fiat Auto durch General Motors ausgesprochen. Die Arbeitnehmervertreter forderten die Vorstände beider Unternehmen auf, sie in alle Entscheidungen im Vorfeld von Gesprächen einzubeziehen. Zu General Motors gehört auch die deutsche Tochter Opel. Dort wird ein massiver Stellenabbau für den Fall befürchtet, dass GM auch Fiat komplett übernimmt.