Finanz-Liveticker: Hypo Real Estate steht vor Umbau - DER SPIEGEL
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Finanz-Liveticker Hypo Real Estate steht vor Umbau

Nach dem vorläufigen Scheitern des US-Rettungspakets befinden sich die Börsen weltweit im Abwärtsstrudel. Europäische Regierungen ringen um die Rettung großer Finanzhäuser. Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen der Finanzkrise im Liveticker!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

+++ Hypo Real Estate steht vor Umbau +++

[17:55 Uhr] Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) wird nach seiner milliardenschweren Rettung durch Bundesregierung und Banken radikal umgebaut. Angestrebt seien Verkäufe der Bankentöchter oder deren Vermögenswerte, heißt es in einem Schreiben von Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin.

Die Union will mehr Einfluss der Politik auf die Unternehmen geltend machen. Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte, wo der Bund Bürgschaften übernehme, sollten auch Bonussysteme oder Abfindungen von Managern abgeschafft werden. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer forderte ein Mitspracherecht des Bundes bei der Besetzung des künftigen Topmanagements bei der HRE.

In dem Schreiben an das Finanzministerium heißt es wörtlich: "Anders als bei einer sofortigen Insolvenz, wird eine geordnete und Substanz schonende Neustrukturierung der HRE-Gruppe durch einen den Wert erhaltenden Verkauf der Bankentöchter oder von deren Vermögenswerten ermöglicht." Die Aktien der vier Banktöchter der Holding würden zur Sicherheit an die Kreditgeber abgetreten.

+++ Merkel rechtfertigt Milliardenbürgschaft +++

[17:23 Uhr] Kanzlerin Angela Merkel hat den milliardenschweren Rettungsplan für den DAX-Konzern Hypo Real Estate verteidigt. Die Bürgschaft des Bundes von 26,6 Milliarden Euro sei nötig, um bei Bürgern und Wirtschaft das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland zu erhalten, sagte die CDU-Chefin am Dienstag in Berlin. Auch die Fraktionen von Union und SPD signalisierten Unterstützung für das Hilfspaket von Bund und Banken. Das Gesamtvolumen beträgt 35 Milliarden Euro, davon tragen die Privatbanken maximal 8,5 Milliarden Euro.

Ziel der Rettungsaktion ist es nach Angaben von Finanzminister Peer Steinbrück, die Hypo Real Estate langfristig "geordnet abzuwickeln". Der angeschlagene Immobilienfinanzierer aus München mit einer Bilanzsumme von 395 Milliarden Euro beschäftigt 1.900 Mitarbeiter in Europa, Asien und Amerika.

Die Rettungsaktion war nach Einschätzung der Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin unbedingt erforderlich, um "schwerste Störungen der Geldmärkte" zu verhindern. In einem Brief von Bundesbank und Bafin an Steinbrück heißt es, ansonsten hätten für das deutsche Finanz- und Wirtschaftssystem "ähnliche unabsehbare Folgen" gedroht, wie sie der Zusammenbruch der amerikanischen Finanzgruppe Lehman Brothers hatte.

Die Opposition kritisierte die riesige Bürgschaft für die angeschlagene Hypo-Real-Gruppe und den Alleingang der Regierung am Parlament vorbei. Privatbanken und Bundesländer sollten stärker an den Lasten beteiligt werden. FDP-Chef Guido Westerwelle beklagte ein Informationsdefizit: "Wir wollen nicht schlechten Managern Geld nach werfen."

+++ Bush verteidigt Rettungsplan +++

[16:40 Uhr] Mit der Ablehnung des Rettungspakets für die US-Finanzbranche im Repräsentantenhaus ist nach Aussage von Präsident George W. Bush das Ende des legislativen Prozesses noch nicht erreicht. Das Paket sei wegen der kritischen Wirtschaftslage notwendig, sagte Bush am Dienstag im Weißen Haus. Im Weiteren warnte der Präsident, dass die Konsequenzen von Tag zu Tag schlimmer würden, wenn nichts unternommen werde.

Bush sagte, entweder müsste entschlossen gehandelt werden oder Millionen Amerikaner würden in wirtschaftliche Bedrängnis geraten. Die Regierung arbeitet Bush zufolge weiterhin eng mit den Mitgliedern beider Parteien zusammen, um den Gesetzgebungsprozess wieder aufzunehmen. "Um der finanziellen Sicherheit eines jeden Amerikaners Willen muss der Kongress handeln", betonte Bush.

Der Rettungsplan der US-Regierung für den Finanzsektor mit einem Volumen von 700 Milliarden Dollar (489 Milliarden Euro) war am Montag gescheitert.

+++ Merkel fordert rasche US-Entscheidung +++

[16:39 Uhr] Zur Eindämmung der Finanzkrise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die USA zu raschem Handeln aufgefordert. Sie gehe davon aus, dass das zunächst im US-Abgeordnetenhaus gescheiterte Rettungspaket noch in dieser Woche beschlossen werde, sagte Merkel am Dienstag nach einer Sondersitzung der Unionsfraktion in Berlin. Das Paket habe eine "unglaublich wichtige Bedeutung" für Wirtschaft und Bürger, um Vertrauen zu bilden.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte bei einer weiteren Blockade des Rettungspakets vor unübersehbaren Folgen: "Wenn dieses Paket nicht zustande kommt, dann fehlt uns der erste Baustein, auf dem wir international aufbauen müssen."

+++ UBS-Aktionäre rechnen mit Abschreibungen +++

[13.21 Uhr] Aktionäre der Schweizer Großbank UBS müssen mit weiteren Abschreibungen des Instituts rechnen. Finanzexperten gehen davon aus, dass die Bank an diesem Donnerstag bei einer außerordentlichen Generalversammlung entsprechende Zahlen vorlegen wird. Mitte September hatte die Schweizer "SonntagsZeitung" eine Summe von umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro für das erste Halbjahr genannt, was die Gesamtabschreibungen des weltgrößten Vermögensverwalters als Folge der US-Turbulenzen auf 45 Milliarden Franken heben würde. Die UBS hat sich bisher nicht dazu geäußert. Die UBS-Aktie fiel auf rund 14 Franken, zehn Franken gelten als kritischer Wert, bei dem eine weitere Kapitalbeschaffung äußerst schwierig werden dürfte.

+++ Deutliche Verluste an den russischen Börsen +++

[12.48 Uhr] Die Ablehnung des Rettungspakets für die Finanzmärkte im US-Kongress hat die russischen Aktienmärkte in einen Abwärtsstrudel gerissen. An der Moskauer Micex-Börse fielen die Kurse bis zum Mittag um 6,9 Prozent, obwohl der Handel für zwei Stunden ausgesetzt worden war. Die RTS-Börse gab zunächst um 2,9 Prozent nach. Die Papiere der Ölkonzerne Rosneft und Lukoil gaben um 8,2 Prozent beziehungsweise 7,2 Prozent nach, nachdem der Ölpreis in der Nacht wieder unter 100 Dollar pro Barrel gefallen war. Der russische Aktienmarkt, der noch Anfang des Jahres als einer der weltweit lukrativsten galt, befindet sich seit Wochen auf Talfahrt.

Die Regulierungsbehörde verkündete verschärfte Regeln für die Aussetzung des Handels. Künftig wird die Behörde den gesamten Handel oder den Handel einer Aktie aussetzen, wenn es bei der Eröffnung Verluste von mehr als zehn Prozent gibt oder mehr als fünf Prozent im Laufe des Tages. Vorher lagen die Grenzen bei zwölf und acht Prozent.

+++ China kritisiert Nein zu US-Finanzhilfspaket +++

[12.33 Uhr] China hat das Nein des US-Repräsentantenhauses zu dem milliardenschweren Rettungspaket für die Finanzbranche kritisiert. "Die Rettung der Wall Street ist zum Schutz der US-Wirtschaft zwingend notwendig", hieß es am Dienstag in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Gleichzeitig müssten die US-Aktienmärkte aber auch stärker reguliert werden. Konkrete Vorschläge dafür wurden jedoch nicht genannt.

+++ Microsoft-Chef befürchtet Konsumeinbruch +++

[11.15 Uhr] Die Finanzkrise wird laut Microsoft-Chef Steve Ballmer zu einem weltweiten Ausgabenrückgang bei Verbrauchern und Unternehmen führen. "Finanzielle Erwägungen werden die Ausgaben stark beeinträchtigen, besonders in der Finanzbranche", sagte Ballmer am Dienstag bei einem Seminar in Oslo.

"Kein Unternehmen ist dagegen gefeit." Ballmer rechnet aber mit einer kräftigen Finanzspritze durch den amerikanischen Staat. "Vor Ende der Woche wird im Kongress ein Rettungspaket geschnürt sein, das die Lage beruhigt. Wir brauchen das, ich hoffe, wir können das hinkriegen."

Irische Regierung bürgt nach dem schlimmsten Kurssturz in der Geschichte der Dubliner Börse für alle Einlagen

+++ Irische Regierung bürgt für alle Einlagen +++

[9.49 Uhr] Nach dem schlimmsten Kurssturz in der Geschichte der Dubliner Börse hat die irische Regierung eine umfassende Bürgschaft für alle Einlagen bei den Banken des Landes abgegeben. Finanzminister Brian Lenihan erklärte, die Guthaben bei den sechs in dem Land registrierten Geldinstituten seien sicher. Im Falle einer Pleite werde die Regierung einspringen. Diese Garantie geht weit über eine Ankündigung aus der vergangenen Woche hinaus, in der die Regierung versprochen hatte, für die ersten 100.000 Euro zu bürgen. Die Garantie soll mindestens bis zum 28. September 2010 gelten.

Am Montag waren die Kurse in Dublin um 12,7 Prozent gefallen. Zugleich halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Großanleger ihr Geld aus Irland abziehen wollen, weil ihnen die Sicherheiten der Regierung zu gering sind.

+++ LBBW hält trotz Finanzkrise an Expansion fest +++

[9.42 Uhr] Trotz der sich weiter verschärfenden Finanzmarktkrise hält die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am geplanten Expansionskurs ihrer Tochter Sachsen Bank fest. "Der Konzern steht entschlossen zum Standort Leipzig und wird in ihn auch investieren", wurde LBBW-Chef Siegfried Jaschinski von der "Leipziger Volkszeitung" zitiert. Laut Jaschinski wird bereits in diesem Jahr mit Neueinstellungen begonnen. Im Fokus des Wachstumskurses stünden vor allem die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber auch das Osteuropageschäft, das zentral von Leipzig aus gesteuert werde.

+++ Banken parken bei EZB so viel Geld wie nie +++

[9.26 Uhr] Die Banken haben über Nacht so viel Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geparkt wie nie zuvor. Zugleich borgten sie so viel Geld über die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität wie seit Dezember 2002 nicht mehr. Bis Montag nahmen die Kreditinstitute knapp 15,5 Milliarden Euro auf, um akute Engpässe zu vermeiden, wie die EZB am Dienstag mitteilte. Bei der Einlagefazilität hinterlegten sie knapp 44,4 Milliarden Euro.

Die Zinssätze sind bei den Übernacht-Geschäften für die Banken ungünstig: Für Einlagen erhalten sie 3,25 Prozent, für Kredite müssen sie 5,25 Prozent Zinsen zahlen. Der Leitzins liegt bei 4,25 Prozent. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger kritisierte den hohen Realzinssatz. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE forderte er, den Leitzins um 0,5 Punkte zu senken.

+++ J.C. Flowers will an HRE-Beteiligung festhalten +++

[9.10 Uhr] Der US-Finanzinvestor J.C. Flowers will laut "Handelsblatt" an der finanziell angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate festhalten. Das New Yorker Unternehmen habe bei seinem Eintritt in den HRE-Aktionärskreis deutlich gemacht, dass dieses Investment mittelfristig auf vier bis sieben Jahre ausgerichtet sei, berichtete die Zeitung ohne Nennung einer Quelle. Daran habe sich durch die jüngsten Entwicklungen nichts geändert.

J.C. Flowers kontrolliert seit Juli knapp ein Viertel von HRE. Nach der Rettungsaktion des Bundes und anderer Banken war der Aktienkurs des Münchener Immobilien-Finanzierers am Montag massiv eingebrochen. An der Börse war daraufhin spekuliert worden, dass J.C. Flowers seine Beteiligung verkaufen könnte.

+++ Benelux-Staaten pumpen Milliarden in Dexia +++

[8.23 Uhr] Die Regierungen von Belgien, Frankreich und Luxemburg helfen dem angeschlagenen Finanzkonzern Dexia mit 6,4 Milliarden Euro aus. Darauf hätten sich die drei Staaten in langen Verhandlungen in der Nacht zu Dienstag geeinigt, teilte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme mit. Die Finanzspritze soll die Märkte beruhigen, nachdem die Dexia-Titel am Vortag um fast 30 Prozent eingebrochen sind.

Belgien, die Niederlande und Luxemburg hatten erst am Sonntag das in Bedrängnis geratene Finanzhaus Fortis teilweise verstaatlicht. Im Gegenzug hatten sie dem Konzern 11,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

+++ Dax-Future eröffnet mit Verlusten +++

[8.00 Uhr] Der Dax-Future hat am Dienstag mit einem Minus von rund 200 Punkten oder 3,4 Prozent auf 5676 Zähler eröffnet. Banken und Broker sagten einen Rückgang des Dax von bis zu vier Prozent voraus.

han/ssu/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters