Finanz-Liveticker: Krise an den Märkten - DER SPIEGEL
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Finanz-Liveticker Krise an den Märkten

Eine Bank nach der anderen bricht zusammen oder muss durch den Staat gerettet werden - erstmals betrifft die Finanzkrise auch einen Dax-Konzern. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die Ereignisse eines turbulenten Tages.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

+++ Juncker fordert internationale Zusammenarbeit +++

[19.23 Uhr] Der Vorsitzende der Euro- Finanzminister, Jean-Claude Juncker, hat sich für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit ausgesprochen, um die Folgen der Finanzkrise einzudämmen. Die Abwehrmechanismen müssten international "systematisiert" werden, forderte Juncker am Montag am Rande einer Veranstaltung in Solingen. Er wollte sich aber nicht auf die Frage äußern, ob die Europäer angesichts der Turbulenzen bei europäischen Banken ein Stützungpaket nach dem Vorbild der USA bräuchten.

+++ BayernLB droht Milliardenrisiko +++

[19.03 Uhr] Die Bayerische Landesbank (BayernLB) muss einem Zeitungs bericht zufolge womöglich noch in diesem Jahr finanziell gestützt werden. Mehr als eine Milliarde Euro seien nötig, falls keine anderen Lösungen gefunden würden, sagte Bayerns Sparkassenpräsident Siegfried Naser der "Süddeutschen Zeitung". Gefordert seien dann die Eigentümer der Landesbank, die Sparkassen und der Freistaat Bayern. Die Größenordnung könne heute noch nicht genau benannt werden. "Aber sie wird sicher jenseits eine Milliarde Euro sein müssen. Also eine Milliarde Euro plus X", sagte Naser.

+++ Berlin kontaktiert EU wegen Hypo Real Estate +++

[18.34 Uhr] Für das milliardenschwere Rettungspaket zugunsten des Finanzkonzerns Hypo Real Estate hat die Bundesregierung erste Kontakte mit der EU-Kommission aufgenommen. Es seien "einige Informationen" übermittelt worden, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Montag in Brüssel. Es handele sich aber nicht um eine förmliche wettbewerbsrechtliche Anmeldung der Rettungsaktion. Noch am Mittag hatte der Sprecher erklärt, es habe keine Zusammenarbeit der deutschen Seite gegeben.

+++ Dax schließt auf Zwei-Jahres-Tief +++

[18.00 Uhr] Ein dramatischer Kurssturz der Hypo Real Estate (HRE) hat am Montag den Deutschen Aktienindex (Dax) tief in die roten Zahlen gerissen. Der Leitindex ging mit einem Minus von 4,23 Prozent bei 5807 Punkten aus dem Handel. Das war ein Verlust von 256,42 Punkten. HRE-Papiere verloren am Montag 74 Prozent und schlossen bei 3,52 Euro.

+++ US-Justiz verlangt Papiere von Fannie und Freddie +++

[17.58 Uhr] Im Zuge der Überprüfung von Fannie Mae und Freddie Mac haben die US-Justizbehörden offiziell Dokumente von den beiden Hypothekenfinanzierern angefordert. Die mittlerweile verstaatlichten Unternehmen teilten am Montag mit, das Büro des Bundesanwalts im südlichen Bezirk von New York verlange Papiere zu Buchführung, Angabepflichten und Corporate Governance seit Januar 2007. Auch die Börsenaufsicht SEC habe im Zuge ihrer Ermittlungen die Unternehmen aufgefordert, die Dokumente aufzubewahren. Fannie Mae und Freddie Mac kündigten an, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Gegen die Unternehmen ermittelt wegen Verdachts auf Betrug mittlerweile auch das FBI.

+++ Steinbrück lobt HRE-Hilfspaket +++

[17.26 Uhr] Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat die staatliche Beteiligung am Rettungsplan für die Hypo Real Estate als "richtig und erforderlich" verteidigt. "Es ist das getan worden, was am ehesten eine geordnete Abwicklung (von HRE) ermöglicht", sagte Steinbrück am Montag in Berlin. Hätte man dem Institut nicht geholfen, hätte die Gefahr bestanden, dass andere deutsche Unternehmen und Arbeitsplätze und auch solche jenseits der Grenzen unter Druck gekommen wären. In den Verhandlungen um die Hilfen sei auch das Ansinnen gestellt worden, die Bank zu verstaatlichen. Das aber habe er ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel abgelehnt.

+++ EZB und Fed ändern Währungsabkommen +++

[16.52 Uhr] Als Reaktion auf die anhaltende Finanzkrise haben die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed den Umfang ihres wechselseitigen Währungsabkommens verdoppelt. Statt wie bisher 120 Milliarden Dollar können künftig Devisen im Wert von 240 Milliarden Dollar getauscht werden, wie die EZB am Montag mitteilte. Mit dieser sogenannten Swap-Vereinbarungen solle die Dollar-Liquidität in der Eurozone erhöht werden. Die Vereinbarung gilt bis zum 30. April 2009.

+++ Kurse an der Wall Street brechen ein +++

[16.20 Uhr] In New York hat die Wall Street mit deutlichen Verlusten eröffnet. Der Dow Jones   verlor in der ersten Handelsstunde 334 Punkte oder 3,3 Prozent auf 10.809 Punkte.

+++ Morgan Stanley bekommt Hilfe von Mitsubishi-Bank +++

[16.09 Uhr] Die durch die Kreditkrise bedrängte US-Bank Morgan Stanley   verschafft sich eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe und holt den japanischen Finanzkonzern Mitsubishi UFJ als neuen Großaktionär an Bord. Die zu den führen japanischen Banken zählende Mitsubishi UFJ investiert neun Milliarden Dollar. Im Gegenzug erhält sie 21 Prozent der Anteile an Morgan Stanley und wird damit größter Einzelaktionär. Das teilten die beiden Finanzhäuser am Montag in New York mit.

+++ EZB teilt 120 Milliarden Euro als Tender zu +++

[15.06] Die Europäische Zentralbank hat vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise dem Geldmarkt in einem Sonder-Tender 120 Milliarden Euro an Liquidität zugeführt. Der durchschnittliche Zinssatz bei dem Geschäft mit einer Laufzeit von 38 Tagen habe bei 4,88 Prozent gelegen, teilte die EZB am Montag in Frankfurt mit. Der Marginalsatz, der niedrigste Satz zudem noch Gebote angenommen wurden, lag bei 4,36 Prozent. Die 38 Bieter haben laut EZB Gebote über insgesamt 141,683 Milliarden Euro

+++ Belgien und Frankreich deuten Dexia-Rettung an +++

[14.29 Uhr] Nach der Teilverstaatlichung des Finanzkonzerns Fortis hat der belgische Ministerpräsident Yves Leterme eine Rettungsaktion auch für die französisch-belgische Dexia angedeutet. "Wir werden auch bei Dexia unsere Verantwortung wahrnehmen", sagte er. Die Dexia-Aktie war zuvor um rund 30 Prozent eingebrochen. Leterme betonte, die Probleme bei dieser Bank seien "grundlegend anders" als bei Fortis. Auch die französische Regierung kündigte an, die in Turbulenzen geratene Dexia-Bank notfalls zu unterstützen.

+++ Citigroup übernimmt Wachovia +++

[14.26 Uhr] Die amerikanische Bank Citigroup wird nach Angaben der staatlichen US-Einlagensicherung FDIC das Bankgeschäft des angeschlagenen Instituts Wachovia kaufen. Citigroup werde bei diesem Deal vom Staat unterstützt.

+++ Hypo Real Estate sieht Bestand gesichert +++

[12.37 Uhr] Die Hypo Real Estate sieht ihren Bestand durch das milliardenschwere Rettungspaket der Banken als gesichert an. Von einer Abwicklung des Unternehmens könne keine Rede sein, sagte ein Sprecher am Montag in München. Vielmehr gehe es darum, die Refinanzierung des Konzerns wieder auf ein solides Fundament zu stellen. Das Finanzministerium hatte in Berlin gesagt, es gehe um eine "geordnete Abwicklung" der Hypo Real Estate und mit dieser Aussage Verwirrung ausgelöst.

+++ WestLB und Deka-Bank rücken zusammen +++

[12.06 Uhr] Die angeschlagene WestLB und die Frankfurter Deka-Bank schieben die Neuordnung der Landesbanken an und wollen enger zusammenrücken. In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb die WestLB am Montag, dass der Vorstand im Rahmen der anstehenden Konsolidierung der deutschen Landesbanken konkrete Vorschläge unterbreitet habe. Berichten zufolge will die WestLB als erste Landesbank eine funktionale Arbeitsteilung mit der Deka-Bank auf den Weg bringen.

+++ "Hypo Real Estate ist das einzige Problem" +++

[11.53 Uhr] Die Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate   ist nach Darstellung des Bundesfinanzministeriums das derzeit einzige zu lösende Problem in diesem Bankensegment. Es gehe um keine andere Realkreditbank, sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig am Montag in Berlin. Das deutsche Finanzsystem und die Bundesregierung seien gewillt, handlungsfähig und schnell zu reagieren, um dem Münchner Dax-Konzern zu helfen. Weitere Probleme darüber hinaus zeigten sich derzeit nicht.

+++ Finanzminister bestätigt Bürgschaft für HRE +++

[11.44 Uhr] Das Bundesfinanzministerium hat eine Bürgschaft für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) in Höhe von 35 Milliarden Euro bestätigt. Diese Zusage sei nötig, um die Finanzhilfen der Privatbanken abzusichern, sagte ein Sprecher am Montag in Berlin. Es handele sich nicht um bereits eingetretene Verluste, wurde betont. Sollte aber die Bürgschaft in Anspruch genommen werden, würde dies die Banken und den Bund natürlich belasten.

+++ Dänische Roskilde Bank wird zerlegt +++

[11.32 Uhr] Die schwedische Nordea AB  , die dänische Spar Nord Bank und Arbejdernes Landsbank kaufen für rund 108 Millionen Dollar Teile der ins Schlingern geratenen Roskilde Bank. Zudem übernehmen die drei Banken nach Angaben vom Montag Kredite im Wert von rund 1,96 Milliarden Dollar und Einlagen von etwa 980 Millionen Dollar. Der Deal muss noch von der dänischen Finanzaufsicht genehmigt werden. Die Roskilde Bank wurde wegen der Finanzmarktkrise und angesichts fallender Häuserpreise in Dänemark bereits im August von der dänischen Zentralbank übernommen.

+++ EZB greift wieder ein +++

[11.22 Uhr] Um die Liquiditätslage der europäischen Banken zu verbessern hat die Europäische Zentralbank eine spezielle Refinanzierungsoperation angekündigt. Die Euro-Währungshüter teilten am Montag in Frankfurt am Main mit, bei der Operation mit variablem Zinssatz werde es kein festgelegtes Volumen geben. Die Laufzeit gehe bis zum 7. November.

+++ Euro-Geschäftsklima auf Sieben-Jahres-Tief +++

[11.08 Uhr] Die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern in der Euro-Zone ist im September auf den tiefsten Stand seit fast sieben Jahren gefallen. Der entsprechende Geschäftsklima-Index sank auf 87,7 Punkte nach 88,5 Zählern im August, wie die EU-Kommission am Montag mitteilte. Dabei sind die jüngsten Entwicklungen der Finanzkrise nicht einmal berücksichtigt: Die Unternehmen und Verbraucher wurden vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers   vor zwei Wochen befragt.

+++ Island übernimmt Glitnir-Bank +++

[10.08 Uhr] Islands stark angeschlagene drittgrößte Bank Glitnir wird mehrheitlich verstaatlicht. Wie die Zentralbank in Reykjavik am Montag mitteilte, übernimmt der Staat 75 Prozent der Anteile für eine Kapitzalzufuhr von umgerechnet 600 Millionen Euro. Glitnir selbst versicherte, alle Einlagen seien gesichert, die Bank weiterhin zahlungsfähig.

+++ Briten verstaatlichen Hypothekenbank +++

[9.03 Uhr ] Die Reste der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) werden verstaatlicht. Dafür habe die britische Regierung 14 Milliarden Pfund bereit gestellt, erklärte das britische Finanzministerium am Montag. Ein nötiger Kredit sei von der Bank of England zur Verfügung gestellt worden und solle bald von einem Kredit der Regierung abgelöst werden, teilte das Finanzministerium weiter mit. Die B&B-Aktien waren vom Handel ausgesetzt. Die spanische Großbank Santander   erklärte, sie werde von B&B Firmenteile für insgesamt 612 Millionen Pfund übernehmen.