Finanzkrise Citigroup streicht 50.000 Stellen
New York/London - Rund 50.000 der weltweit etwa 352.000 Jobs sollen wegfallen, das kündigte Citigroup-Chef Vikram Pandit bei einer Mitarbeiterversammlung selbst an. Die Nachrichtenagentur AP meldet, es seien sogar 53.000 Stellen.
Für Deutschland dürften die Auswirkungen des massiven Arbeitsplatzabbaus vergleichsweise gering sein. Ein Sprecher der Konzerntochter Citibank Privatkunden AG & Co verwies darauf, dass die US-Bank ihr deutsches Privatkundengeschäft mit 6.800 Mitarbeitern im Juli für knapp 5 Milliarden Euro an die französische Crédit Mutuel verkauft habe. Die Transaktion soll Anfang Dezember abgeschlossen werden.
Allerdings ist die Citigroup in Deutschland weiterhin im Firmenkundengeschäft und im Investment Banking tätig. Außerdem steht das Europäische Rechenzentrum der Gruppe in Frankfurt, das größte Rechenzentrum von Citi außerhalb der USA. Über die Auswirkungen des Stellenabbaus auf diese Geschäftsbereiche war zunächst keine Auskunft zu erhalten.
Durch den Jobabbau will die US-Bank rund 20 Prozent Kosten einsparen. Die Citigroup zählt mit Milliardenverlusten zu den weltweit größten Opfern der Finanzkrise. Sie steckt mittlerweile vier Quartale in Folge tief in den roten Zahlen. Das Minus summiert sich auf mehr als 20 Milliarden Dollar.
Die Bank reagiert auf die Krise nicht nur mit Stellenabbau - sie will sich früheren Plänen zufolge zudem von großen Konzernteilen trennen. In Deutschland verkaufte die Bank bereits ihr Privatkundengeschäft.
Pandit ist seit rund einem Jahr Chef bei der Citigroup. Er steht angesichts der anhaltenden Probleme der Bank enorm unter Druck. Es ist nicht das erste Mal, dass er Stellen streichen muss. Die von der Finanzmarktkrise betroffene Bank hat bereits ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt, zu dem schon der Abbau von 22.000 Jobs weltweit gehörte.
Doch Pandit ist nicht der einzige, der zu drastischen Maßnahmen greifen muss: Weltweit gingen in der Bankenbranche wegen der Kreditkrise Schätzungen zufolge bislang mindestens 160.000 Arbeitsplätze verloren. Die Finanzhäuser verbuchten zusammen Abschreibungen und Wertverluste von mehr als 700 Milliarden Dollar.
Die US-Bank JP Morgan steht einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise ebenfalls vor einem deutlichen Stellenabbau. Das Unternehmen habe diesbezügliche Beratungen aufgenommen, berichtete der "Sunday Telegraph" unter Berufung auf Firmenkreise.
Der Umfang dürfte sich an dem Ausmaß der Streichungen bei den Konkurrenten der Citigroup orientieren, berichtet die Zeitung weiter. Kreise verwiesen dem Bericht zufolge darauf, dass Citigroup und auch die größte US-Investmentbank Goldman Sachs etwa zehn Prozent der Stellen abbauen sollen. Ein Sprecher der Bank wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen.
Angesichts der Finanzkrise kündigte Goldman Sachs am Montag allerdings einen symbolischen Verzicht an: Lloyd Blankfein, der Chef von Amerikas größter Investmentbank, will sich in diesem Jahr keine Boni auszahlen lassen. Im vergangenen Jahr hatte der Manager noch 68 Millionen Dollar an Zusatzzahlungen erhalten - trotz des Ausbruchs der Finanzkrise.
Das US-Institut Citigroup konnte sich lange Zeit mit dem Titel "größte Bank der Welt" schmücken. Im vergangenen Jahr stieg dann die chinesische Großbank ICBC gemessen an der Marktkapitalisierung zum weltgrößten Kreditinstitut auf.
Die Wurzeln der Citigroup reichen bis zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts zurück, als 1812 die City Bank of New York gegründet wurde. Der Bankenriese in seiner heutiger Form entstand 1998 durch den Zusammenschluss von Citicorp und Travelers Group. Die Citigroup mit Hauptsitz in New York betreut nach eigenen Angaben 200 Millionen Kunden in über 100 Ländern.
Grafik: Wie aus Schulden Wertpapiere wurden
Foto: DER SPIEGELssu/AP/dpa/Reuters