Finanzkrise: Dax fällt zeitweise auf Dreijahrestief - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Finanzkrise Dax fällt zeitweise auf Dreijahrestief

Sorgen vor einer globalen Rezession drücken auf die Stimmung an den Aktienmärkten: Der Dax stürzte gleich zu Handelsbeginn auf ein Dreijahrestief ab und sank dann weiter - zeitweilig um über neun Prozent. Zuvor war schon die Börse in Japan um fast zehn Prozent eingebrochen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/Tokio - Herbe Verluste am deutschen Aktienmarkt: Schon kurz nach Handelsbeginn notierte der Dax   mehr als sechs Prozent im Minus. Im weiteren Handel stieg er kurzzeitig deutlich, stürzte erneut ab, taumelte eine Weile um die 4200-Punkte-Marke und sackte dann immer tiefer und tiefer, zuletzt auf rund 4050 Punkte. Das entspricht einem Minus von über neun Prozent. Der MDax   büßte zeitweise über fünf Prozent, der TecDax   über sechs Prozent ein.

Börsianer in Frankfurt: Schlechte Vorgaben aus Asien belasten

Börsianer in Frankfurt: Schlechte Vorgaben aus Asien belasten

Foto: DPA

Auch an den anderen europäischen Märkten startete der Handel mit hohen Abschlägen. Der EuroStoxx 50   verlor am Vormittag fast sechs Prozent, der Londoner FTSE 100   fast fünf Prozent, und für den französischen CAC 40   ging es zeitweilig um 5,5 Prozent nach unten.

Vor allem die schlechten Vorgaben aus Asien belasteten. So schloss die Börse in Tokio auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Der Nikkei-Index   verlor 9,6 Prozent. Das wichtigste asiatische Börsenbarometer fiel damit unter der Schwelle von 8000 Punkten. Bereits in den vergangenen Wochen hatte der Nikkei-Index mehrmals rund zehn Prozent verloren.

Als Grund für den erneuten Absturz nannten Händler Ängste vor einer Rezession und das Erstarken des Yens, was Exporte für japanische Unternehmen verteuert. Verkauft wurden am Freitagmorgen in Tokio vor allem Aktien exportorientierter Unternehmen. Hintergrund ist die Aufwertung des Yens im Vergleich zum Dollar. Der Elektronikriese Sony   etwa begründete seinen pessimistischen Ausblick mit dem ungünstigen Währungsverhältnis und der Konjunktur.

Auch in Hongkong wurden am Freitag starke Verluste verzeichnet: Der Hang Seng   fiel um mehr als 4 Prozent. In Südkorea fiel der Leitindex zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren unter die Marke von 1000 Punkten. Das entsprach einem Verlust von 5,5 Prozent.

Dabei waren die Vorgaben aus New York gut: Die Wall Street hatte am Donnerstagabend nach einem Handelstag mit starken Schwankungen uneinheitlich geschlossen. Der Dow Jones   mit den 30 wichtigsten Titeln kletterte um 2,02 Prozent auf 8691,25 Punkte, während High-Tech-Aktien weniger gefragt waren. Der Nasdaq Stock Market   büßte knapp ein Prozent ein.

Die Wirtschaftsflaute wird in den USA immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung stieg nach Regierungsangaben in der vergangenen Woche um 15.000 auf 478.000. Schon ab 400.000 geht man von einer Rezession aus. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 6,1 Prozent. In der Wirtschaftskrise 1991/92 waren es 7,8 und 1982 sogar mehr als 10 Prozent. Zu den Firmen, die Arbeitsplätze abbauen wollen, gehören große Namen wie Goldman Sachs  , Xerox   oder Chrysler.

Eine erste Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal soll in einer Woche veröffentlicht werden. Experten gehen davon aus, dass die Leistung der größten Volkswirtschaft der Welt um 0,5 Prozent sank. Diese Entwicklung soll sich mindestens bis ins erste Quartal 2009 fortsetzen. Erschwert wird die wirtschaftliche Erholung in den USA von der Bankenkrise, wegen der Kredite schwerer zu bekommen sind.

kaz/ssu/als/Reuters/dpa/AP/ddp