Finanzkrise Mega-Rettungsplan reißt Börsen ins Minus
New York - Mit einem steilen Absturz haben die US-Börsen auf das neue Billionen-Rettungspaket der amerikanischen Regierung für die Finanzbranche reagiert. Der weltweit bekannteste Aktien-Leitindex Dow Jones verlor am Dienstag fast 400 Punkte und damit mehr als 4,5 Prozent. Marktteilnehmer vermissten in den neuen Plänen der US-Regierung konkrete Details und sprachen von Verunsicherung.
Händler an der Wall Street: Sie vermissen Konkretes in Geithners Plänen
Foto: DPAAnleger flüchteten in Festzins-Papiere und vermeintlich sichere Anlagehäfen wie Gold. Der Generalplan von Finanzminister Timothy Geithner habe viele Fragen offen gelassen, sagte ein Händler auf dem New Yorker Parkett. "Der Markt hasst Unsicherheit."
Der Dow Jones fiel um exakt 4,62 Prozent auf 7888 Punkte und damit so stark wie seit Anfang Dezember nicht. Der S&P-500-Index brach sogar um 4,91 Prozent auf 827,16 Zähler ein. Der Nasdaq verlor um 4,20 Prozent auf 1524 Punkte. Ganz oben auf der Verkaufsliste standen einmal mehr Finanztitel wie die Bank of America (minus 19 Prozent), die Citigroup (minus 15 Prozent) und JP Morgan Chase (minus 9,8 Prozent).
Die Unsicherheit zog auch alle anderen Branchen meist kräftig ins Minus. Einzelwerte verstärkten mit Hiobsbotschaften den Abwärtssog. So korrigierte der Flugzeug- und Rüstungskonzern Boeing (minus 6,1 Prozent) sein zuletzt schon enttäuschendes Ergebnis noch einmal nach unten.
Auch in Deutschland fiel die Reaktion verhalten aus: Der Dax ging nach Bekanntwerden der Pläne des US-Finanzministers am frühen Abend auf Talfahrt und beendete den Handel um 3,5 Prozent tiefer bei 4505 Punkten.
Mega-Pläne der US-Regierung
Die neue US-Regierung unter Präsident Barack Obama stemmt sich mit neuen Billionen-Ausgaben gegen die immer weiter ausufernde Wirtschafts- und Finanzkrise. Während das mehr als 800 Milliarden Dollar umfassende Konjunkturpaket Obamas eine wichtige Hürde im Senat nahm, verkündete sein Finanzminister Timothy Geithner einen bis zu zwei Billionen Dollar schweren Generalplan. Er solle Banken von faulen Wertpapieren befreien, die private Kreditvergabe ankurbeln und Geldinstituten weitere Kapitalspritzen verschaffen. Auch seien weitere Milliarden-Hilfen für bedrängte Hausbesitzer geplant.
Nach Geithners Worten muss die Antwort auf die Krise "umfassend und kraftvoll" sein. Die bisherigen Hilfen seien "unangemessen gewesen und zu spät gekommen", sagte der Minister. "Wir werden Sachen ausprobieren, die vorher noch nie versucht wurden." Die finanzielle Größenordnung der geplanten Maßnahmen zeige, wie ernst die Lage sei, hieß es von Marktteilnehmern.
Riesen-Konjunkturpaket im Vermittlungsausschuss Für die Senatsvorlage zum Konjunkturpaket stimmten neben den 58 Demokraten drei Republikaner. 37 votierten dagegen. Mit Hilfe der drei moderaten Republikaner hatten die Demokraten am Montag auch hauchdünn die nötige Mehrheit von mindestens 60 Stimmen erreicht, um den Entwurf überhaupt zur Abstimmung bringen zu können.
Angesichts der Differenzen zwischen Demokraten und Republikanern werden noch äußerst harte Verhandlungen im Vermittlungsausschuss erwartet. Der Präsident will ein Gesetz zur Wiederbelebung der tief in der Rezession steckenden US-Wirtschaft spätestens Anfang kommender Woche unterzeichnen.