Finanzkrise Mullahs eilen Rover zu Hilfe
Teheran - "Wir glauben, dass unsere Autoindustrie fähig ist, den in Schwierigkeiten geratenen europäischen Autokonzern zu reformieren und ein Fahrzeug zu produzieren, das unter der gleichen Marke weitergeführt werden kann", sagte der iranische Industrieminister Eschak Jahangiri am Montag in Teheran. Es habe bereits Gespräche mit verschiedenen iranischen Firmen gegeben. Nun müssten die genauen Möglichkeiten bewertet werden. Nach wie vor sei denkbar, MG Rover komplett zu übernehmen.
Die iranische Staatsfirma Iran Chodro, zugleich größter Autohersteller im Nahen Osten, hatte zuvor bekannt gegeben, nicht mehr an Rover interessiert zu sein. Der zweitgrößte staatliche iranische Autokonzern, Saipa, hatte angekündigt, möglicherweise einzelne Unternehmensteile zu kaufen.
Jahangiri erklärte, eine komplette Übernahme sei insbesondere dann noch möglich, wenn sich andere asiatische Staaten als Partner fänden, etwa China und Indien. In diesen Ländern könnten dann einzelne Fahrzeugteile für Rover hergestellt werden. Mit dieser Lösung würden auch die Preise für das Fahrzeug gesenkt. Erst am Sonntag hatten die Iran Chodro und China Verträge für die gemeinsame Produktion des "Samand", einem neuen Fahrzeug für den iranischen Markt, unterzeichnet.
Rover hatte Mitte April Insolvenz angemeldet, nachdem Gespräche über eine Partnerschaft mit dem chinesischen Autohersteller Shanghai Automotive (Saic) gescheitert waren. Die meisten der 6000 Rover-Beschäftigten würden bei einer Insolvenz ihre Arbeit verlieren, weitere 15.000 Stellen sind bei britischen Zulieferern gefährdet.
Iran hat historisch enge Verbindungen zur britischen Autoindustrie. Viele Iraner fahren einen "Paykan", einen Nachbau des britischen "Hillman Hunter" aus den sechziger Jahren. Der "Paykan" wurde bis vor kurzem noch bei Iran Chodro hergestellt.